Zerocalcare: italien-erfolg verpufft – netflix-serien im sinkflug?
Rom – Der Hype um den italienischen Comiczeichner Zerocalcare scheint im internationalen Raum zu verpuffen. Seine neueste Serie „Due Spicci“ (international „My Two Cents“) blieb beim Start auf Netflix außerhalb Italiens weit hinter den Erwartungen zurück. Ein herber Schlag für den Streaming-Dienst, der offenbar ein generelles Problem mit der zweiten Welle seiner Eigenproduktionen hat.

Daten offenbaren besorgniserregenden trend
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: „Due Spicci“ schaffte es nicht in die Top 10 der nicht-englischsprachigen Serienwoche vom 25. bis 31. Mai. Das bedeutet weniger als eine Million Aufrufe – ein mageres Ergebnis im Vergleich zu den hohen Produktionskosten und dem medialen Aufgalopp. Doch „Due Spicci“ ist kein Einzelfall. Netflix scheint generell Schwierigkeiten zu haben, den Erfolg erster Staffeln in nachfolgenden Episoden zu wiederholen. Nach „A Man on the Inside“, „Beef“ und „Running Point“ zeigen auch „The Four Season“ und, besonders deutlich, „Come uccidono le brave ragazze“ einen dramatischen Einbruch in den Zuschauerzahlen.
The Four Season verlor beispielsweise satte 63 Prozent der Zuschauer im Vergleich zur ersten Staffel, während „Come uccidono le brave ragazze“ mit einem Verlust von 76 Prozent fast komplett implodierte. Die Zuschauerzahlen – 4,4 Millionen bzw. nur noch 1,8 Millionen – sind ein deutliches Alarmsignal für Netflix.
Was steckt hinter diesem Trend? Beobachter vermuten, dass das Publikum schnell die Lust verliert, sich langfristig an Serien zu binden, sofern diese nicht zu absoluten Hits avancieren. Stattdessen scheint es ein immer stärkeres Bedürfnis nach ständig neuen Inhalten zu geben, während ältere Serien in Vergessenheit geraten oder lediglich als „vielleicht mal später“ abgetan werden. Die Aufmerksamkeitsspanne schrumpft, und der Wettlauf um die nächste große Serie ist eröffnet.
Interessanterweise schneiden Serien in der ersten Staffel deutlich besser ab. Im aktuellen Ranking der meistgesehenen Serien auf Netflix führen „The Boroughs“ (produziert von den „Stranger Things“-Brüdern) und der Action-Thriller „Nemesis – Due Forze Opposte“, beide in ihrer ersten Staffel. Die Zahlen – 9,5 Millionen bzw. 5,9 Millionen Aufrufe – zeigen, dass das Publikum immer noch bereit ist, sich auf neue Geschichten einzulassen, solange diese überzeugen. Die spanische Miniserie „Berlino und die Dame mit dem Hermelin“ erreichte 4,7 Millionen Zuschauer, während die koreanischen Serien „The WONDERfools“ und „Meine edle Feindin“ ebenfalls hohe Zahlen verzeichneten.
Die Daten zeigen: Netflix muss dringend überlegen, wie es die Bindung der Zuschauer an seine Serien verbessern kann. Nur wer die Erwartungen erfüllt und nachhaltig fesselt, wird im harten Wettbewerb der Streaming-Dienste bestehen können. Sonst droht eine Spirale aus kurzlebigen Erfolgen und enttäuschenden Fortsetzungen.
