Wück zündet qualitäts-turbo: dfb-frauen sind spanien längst ebenbürtig

Christian Wück schickt seine Fußballerinnen mit einer Kampfansage in die WM-Qualifikation: Die Differenz zur Weltmeister-Elf Spanien sei minimal, nur die Entschlossenheit in den Zwei-Meter-Räumen fehle noch.

Die lücke misst nur noch millimeter

Der Bundestrainer zog die Bilanz der vergangenen Großereignisse und kam zu einem radikalen Schluss: Deutschland war „lange auf Augenhöhe“, doch Spanien traf in den entscheidenden Sekunden den Netzplatz, statt den Querbalken. Die Folge: EM-Halbfinal-Aus und Nations-League-Final-Niederlage. „Jule Brand, Klara Bühl und auch andere bei uns können das genauso – sie bekommen es im Moment nur nicht konstant umgesetzt“, sagte Wück der Süddeutschen Zeitung. Der 52-Jährige will keine weiteren Powerpoint-Einheiten über Passqualität, sondern Glanzlichter, die sich „wie ein Messer in die Partie bohren“.

Die Mathematik ist gnadenlos: Drei Großturniere in Folge endeten gegen Spanien mit je einem Tor Untersscheid. Die Distanzschüsse von Aitana Bonmatí und Co. im Rückspiel der Nations League saßen im Winkel, während deutsche Bälle entweder das Aluminium küssten oder Keeperin Misa Rodríguez noch die Finger drauf bekam. Wück spricht deshalb nicht von Qualität, sondern von „Timing und Mut, den Ball auch mal aus 20 Metern durch die Wand zu schießen“.

Top-nation ja, aber ohne titel seit 2016

Top-nation ja, aber ohne titel seit 2016

Trotz der Negativserie ordnet er Deutschland weiterhin „unter den Top-Nationen mit Schweden, Frankreich, England, Spanien und den USA“ ein. Die Logik: Ballbesitzanteile von teils über 60 Prozent und mehr Torschüsse als der Gegner belegen, dass das System steht. Nur die Tabelle kennt keine moralischen Siege. Seit dem Olympiagold von Rio 2016 wartet die DFB-Auswahl auf einen Titel, und die Konkurrenz hat nicht geschlafen: Spanien entwickelte ein Kombinationsplay, das selbst englische Physik und französische Schnelligkeit alt aussehen lässt.

Wücks Strategie für die Qualifikation nach Brasilien 2027: „Wir müssen die Qualifikation gewinnen, das ist unheimlich wichtig.“ Experimente? Fehlanzeige. Stattdessen setzt er auf Kleinarbeit: jede Woche ein Extra-Trainingseinheit „Finish unter Gegenwehr“, bei dem Brand, Bühl und Co. aus halblauen Positionen gegen echte Abwehrspieler abschließen müssen. Die Datenanalyse liefert die Raster: Wo genau trifft der Ball nach einem Dropkick die Torlinie? Welche Fußstellung erhöht die Winkelgeschwindigkeit? „Ich will keine 80-prozentige Ballkontaktquote hören, ich will sehen, wie der Ball drin ist“, so Wück.

Dresden wird zum testlabor

Dresden wird zum testlabor

Am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) empfängt Deutschland in Dresden Slowenien. Für Außenstehende ein Pflichtsieg, für Wück ein Gradmesser. Kapitänin Giulia Gwinn bekommt die Freiheit, von der Außenbahn in die Zentrale zu wechseln, um früher den Abschluss zu suchen. Lena Oberdorf rückt eine Linie höher, um die zweite Ballgeneration zu attackieren. Und hinten? Ann-Katrin Berger soll mit schnellen Abwürfen die Spanier-typischen Umschaltsituationen imitieren. Lautstärke im Stadion: laut DFB 28 000 erwartete Zuschauer, die längst nicht mehr nur das Ergebnis sehen wollen, sondern den Beweis, dass das Team in der Lage ist, die letzten Zentimeter zu gehen.

Die Botschaft ist klar: Spanien ist nicht länger ein unerreichbares Zenith, sondern der Maßstab für einen Sprint, der 2027 in Brasilien enden soll. Wücks Fazit klingt wie eine Kampfkunde: „Wenn wir die richtigen Schlüsse ziehen, sind wir in zwei Jahren nicht nur auf Augenhöhe, sondern stehen oben auf dem Podest.“ Die Spielerinnen haben den Satz vor der Kabine auf ein Plakat geschrieben – ohne Fragezeichen am Ende.