Wollitz schickt sonderzug nach aachen: "diese fans sind längst zweitligatauglich"

Claus-Dieter Wollitz redet nicht lange herum. "Diese drei Punkte würden uns gut tun", sagt der Energie-Coach, während hinter ihm auf dem Bahnsteig des Cottbuser Hauptbahnhofs die ersten Fans in blau-weiße Fangesänge einstimmen. Am Freitagabend rollt ein Sonderzug Richtung Aachen – und mit ihm der Aufstiegstraum des FC Energie.

Personalsorgen? wollitz schickt trotzdem die fans vor

Tolga Cigerci fehlt verletzt, King Manu ist erkältet, Lukas Michelbrink sitzt nach der Roten Karte gegen Rostock in der Kabine. Dominik Pelivan laboriert an der Hüfte, seine Einsatzchance steht bei fifty-fifty. Doch statt zu jammern, lädt Wollitz die Anhänger zur Großoffensive ein. "Die Jungs sollen spüren, dass wir nicht allein sind", sagt er und meint damit die über 1.000 Energie-Anhänger, die trotz Freitagabend-Termin und 600 Kilometern Fahrt in den Tivoli reisen.

Die Zahl ist kein Druckmittel, sondern ein Versprechen. Denn wer in Cottbus schon einmal einen Nachmittag im Stadion verbracht hat, weiß: Diese Fans singen selbst dann, wenn der Gegner in der 90. Minute das 0:3 erzielt. Sie haben schon Drittliga-Regenzeiten überstanden, da sind sie nun mal zweitligatauglich.

Gindorf wartet – und wollitz hat einen plan

Gindorf wartet – und wollitz hat einen plan

Lars Gindorf ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. 20 Treffer hat der Alemannia-Stürmer in dieser Saison erzielt, darunter drei per Hacke, zwei per Fallrückzieher und eines direkt aus dem Mittelkreis. "Um da zu bestehen, brauchen wir das Beste vom Besten", sagt Wollitz und klingt dabei nicht wie ein Coach, sondern wie ein General, der seine Infanterie in Position bringt.

Die Devise lautet: hinten dichtmachen, vorne Nadelstiche setzen. Die Cottbuser haben in diesem Jahr noch kein Spiel verloren, das 0:0 gegen Rostock war nur ein Stolperer auf dem Weg nach oben. Kapitän Axel Borgmann redet Tacheles: "Es zählt jetzt nicht mehr die Topleistung, sondern am Ende das Ergebnis". Mit anderen Worten: Schönspielen war gestern, jetzt zählt die Punkte-Maschine.

Der sonderzug als signal – und als warnung

Der sonderzug als signal – und als warnung

Während die Lokomotive durch die Nacht braust, sitzen die Spieler im Mannschaftsbus und hören die Gesänge der Fans mit. Das ist kein Zufall. Wollitz hat die Route so gelegt, dass sich Bus und Zug mehrfach kreuzen. "Die Jungs sollen sehen, für wen sie das machen", sagt er und deutet auf das blau-weiße Meer, das sich langsam vor dem Tivoli sammelt.

Die Aachener haben in den letzten drei Heimspielen sieben von neun Punkten geholt, wissen also, wie man Zuschauer zum Schweigen bringt. Doch diesmal wird es anders. Die Cottbuser kommen nicht als Bittsteller, sondern als Aufstiegskandidat. Und sie bringen ihre eigene Zwölfte Mannschaft mit – per Sonderzug.

Am Freitagabend wird im Tivoli nicht nur gespielt. Es wird demonstriert, dass Drittliga-Fankultur längst zweitligatauglich ist. Und sollte Energie gewinnen, dann wird der Rückfahrt im Zug sicher nicht geschlafen. Denn wie Wollitz schon sagte: "Diese Fans sind nicht nur laut – die sind bereit für die nächste Stufe". Die Zahlen sprechen für sich: 1.000 Fans, 600 Kilometer, ein Ziel – Aufstieg.