Wollitz platzt der kragen: cottbus vor aachen ohne cigerci, pelivan und vielleicht king manu
Claus-Dieter Wollitz schlug mit flacher Hand auf den Tisch, kaum dass die Frage nach Justin Butler und Merveille Biankadi ausgesprochen war. „Ich erkläre hier Fakten, keinen Selbstbedienungsladen!“ Der Trainer von Energie Cottbus ist gereizt, weil sein ungeschlagener Tabellenprimus plötzlich wieder ein Kreuzworträtsel auf dem Rasen stellt. Das 0:0 gegen Hansa Rostock war nur die halbe Wahrheit – die ganze folgte am Mittwoch im Saal mit dem Charme einer Krankenstation.
Cigerci raus, pelivan zittert, king manu mit fieber
Tolga Cigerci wird fehlen, klar. Kleiner Faserriss, drei, vier Wochen – genauer weiß es keiner, weil selbst die MRT-Maschine keinen Kalender besitzt. Wollitz hadert vor allem mit sich: „Ich habe gegen meine Überzeugung von Anfang an auf ihn gesetzt.“ Die 26. Minute rächte sich prompt, als Ersatzmann Lukas Michelbrink Gelb-Rot kassierte und damit auch die Sechs verwaiste. Die Lösung hieß Dominik Pelivan, doch der 29-Jährige humpelt mit „fifty-fifty“ durch den Gang, Schmerztabletten in der Handtasche. Noch hinter ihm wartet King Manu, der sich per WhatsApp krank gemeldet hat – grippaler Infekt, keine Trainingshose, keine Prognose.
Am Freitag geht’s zum Tivoli, wo Alemannia Aachen seit drei Heimspielen unbezwungen ist. Die Quadratur des Kreises: wie eine Mannschaft, die seit zehn Partien nicht verlor, plötzlich um die Personalie auf jeder Position bangt.

Intensitätslücke statt siegesrausch
Wollitz’ größter Gegner ist derzeit nicht der Gegner, sondern die eigene Leerlauf-DNA. „Wir hatten gegen Rostock 47 intensive Läufe, Hansa 67. Das reicht nicht für die 3. Liga, das reicht nicht mal für die Kreisliga“, schlägt er mit Zahlen auf den Tisch. Biankadi und Butler liefen laut GPS unter ihrem Saison-Schnitt, was der Trainer als „Fakt, nicht als Kritik“ deklariert – bevor er prompt doch kritisch wird. Sein Appell: mehr Sprintmeter, mehr Letzte-Pass-Genauigkeit, mehr Torgefahr im letzten Drittel. Sonst droht die erste Niederlage seit Februar, und das mitten im Aufstiegsendspurt.
Die Personalnot zwingt ihn möglicherweise zur Dreierkette. Jonas Nietfeld könnte ins Mittelfeld rücken, Mattis Hoppe auf die Sechs, hinten neu sortieren. Riskant, aber: „Lieber ein Systemwechsel als 90 Minuten ohne Biss“, knurrte Wollitz. Die Wahrheit, die er verlangt, steht auf seiner Laptop-Liste: 13 fitte Feldspieler, zwei Torhüter, ein Kader, der sich in Aachen selbst überspielen muss.
Um 19 Uhr am Freitag entscheidet sich, ob Energie den Tivoli entzaubert oder der Tivoli Energie den Schneid abkauft. Mit oder ohne Cigerci, mit oder ohne Manu – mit Intensität auf jeden Fall. Wollitz hat schon mal den Koffer gepackt: Schmerztabletten, Einschweißfolie, und ein Zettel mit der Aufschrift „Läufe zählen, nicht Worte“. Für Cottbus steht der schwere Gang an. Für Wollitz auch.
