Wolfsburg rutscht ab: magath soll die rettung werden

Der VfL Wolfsburg taumelt mit offenen Augen in die 2. Liga. Nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV schreien Experten nach Felix Magath – und der alte Herr schaut schon vom Flur ins Büro.

Dietmar hamann zieht die notbremse

55 Minuten nach dem Schlusspfiff stand Dietmar Hamann noch immer im Sky-Studio, rote Backen, pulsierende Halsschlagader. „Die Rettung hat einen Namen: Felix Magath“, donnerte er ins Mikro. Kein „vielleicht“, kein „eventuell“. Der Ex-Nationalspieler schickte den Fahrplan direkt in die Wolfsburger Geschäftsstelle. Magath soll den Druck nehmen, die Mannschaft schütteln, die Saison retten. Hamann kennt die Mechanismen: „Das ist die letzte Patrone.“

Die Zahlen sind brutaler als jede Analyse: seit der Winterpause null Siege, zwei Punkte aus neun Spielen. Der Rückstand auf die rettende 15. Position wächst, die Stimmung kippt. In der Volkswagen-Arena brannten nach dem Schlusspfiff Fan-Schals, auf dem Rasen eskalierte ein Tumult zwischen Spielern und Betreuerstaffel. Die Bilder gingen um die Welt – und mit ihnen das Signal: hier regiert Panik.

Bauer steht mit dem rücken zur wand

Bauer steht mit dem rücken zur wand

Trainer Daniel Bauer wirkte nach dem Spiel wie jemand, der die Katastrophe kommen sah und trotzdem nichts unternahm. „Wir müssen uns fragen, ob die Kultur hier noch Bundesliga-Niveau hat“, hatte er noch vor sieben Tagen gesagt. Hamann dreht diese Aussage jetzt gegen ihn: „Wenn er das merkt, hätte er den Job nicht annehmen dürfen.“ Klarer kann man einen Trainer nicht abservieren, ohne das Formular zu unterschreiben.

Die Spieler reagieren mit Sprachlosigkeit. Kapitän Maximilian Arnold schob zwei Sätze über den Rasen, dann herrschte Grabesstille. Sportdirektor Pirmin Schwegler trat vor die Presse, wirkte wie ein Laienschauspieler, der vergessen hat, wie man Selbstbewussein mimt. Hamanns Urteil: „Wenn ich den höre, glaube ich, die haben heute den Spielbetrieb abgemeldet.“

Magath wartet bereits

Felix Magath, 70, frisch frisiert, trainiert derzeit Einzelspieler in München. Er hat Zeit. Und er hat einen Vertrag für Notfälle in der Schublade, sagt man sich in Wolfsburg. Drei Mal führte er den VfL schon – einmal zur Meisterschaft, einmal zum Pokalsieg. Er kennt die Flure, die Machtstrukturen, die Spielerseelen. Und er kennt die Drohkulisse: Abstieg bedeutet 80 Millionen Euro weniger Einnahmen, Abbau von Strukturen, personelles Beben.

Intern kursiert schon ein Terminvorschlag: Montag, 9 Uhr, Büro von Geschäftsführer Matthias Lenz. Magath will nur die Hand aufs Herz legen und sagen: „Ich räume auf, aber ich bestimme die Musik.“ Kein Moderator, kein Aufsichtsrat wird ihm widersprechen. Die Uhr tickt.

Die saison endet am 23. mai – oder vorher im kopf

Patrick Helmes, einst Wolfsburgs Liebling, sieht die Mannschaft schon mental in Liga zwei. „Die spielen, als wären sie schon unten.“ Besonders erbarmungslos fällt seine Kritik an Torwart Kamil Grabara aus: 55 Gegentore, unsicher wie ein Neuling auf Eis. „Das ist kein Kindergeburtstag“, spuckt Helmes ins Mikro. Die Wahrheit klingt selten schön.

Nun also Magath. Der Mann, der Spieler bis zur Erschöpfung traben lässt, der Vitaminpillen verteilte und Tabellenkeller zum Leben erweckte. Ob er noch mal kann? Die Wölfe haben neun Spiele. Die Antwort kommt spätestens am 23. Mai. Bis dahin zählt nur eins: wer jetzt nicht reagiert, schreibt Geschichte als Absteiger. Die Uhr tickt lauter als jedes Publikumsgebrüll.