Wolfsburg feuert stewart – haskins springt als notlösung ein

Die Grizzlys haben die Notbremse gezogen. Nach sieben Niederlagen in Serie und dem Abrutschen auf Tabellenplatz zehn flog Mike Stewart raus – und mit ihm Co-Trainer Gary Shuchuk. Die Entscheidung fiel gestern Abend, 21:19 Uhr, im Katakomben-Büro der Eisarena. Fünf Spieltage vor Ende der Hauptrunde.

Tyler haskins kehrt als retter in die eigene vergangenheit zurück

Der neue Mann ist kein Unbekannter, sondern ein Gesicht aus besseren Tagen. Tyler Haskins, 38, Kapitän der Meistersaison 2016/17, unterschreibt bis 2028. Er bekommt kein Übergangspatent, sondern eine Langzeitlizenz. „Wir haben nicht nach einem Feuerwehrmann gesucht, sondern nach einem Architekten“, sagt Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf. Seine Begründung: Die Saison ist zwar fast gelaufen, die Kaderplanung für 2026/27 beginnt jetzt. Und Haskins kennt jeden Talentpass, jeden Stift, jeden Sponsor im Wolfsburger System.

Der US-Amerikaner war seit 2020 als Co-Trainer an der Bande, danach als Scout unterwegs. Er kennt das Dorf, die Sprüche, die Stimmung. Das macht ihn zur Schnellschuss-Lösung, aber eben keine Garantie für den Klassenerhalt. Die Grizzlys liegen nur neun Punkte vor Augsburg, am letzten Spieltag geht’s zum direkten Duell. Ein Verlust dort, und die Pre-Playoffs werden zur Lotterie.

Die olympia-pause war ein katastrophen-reset

Was Stewart zerbrach, war nicht nur die Pleiten-Serie, sondern die Art, wie sie passierte. 0:4 in Straubing, 2:4 gegen Schwenningen, 2:3 n.V. gegen Frankfurt – alles Spiele, in denen Wolfsburg führte oder zumindest mithielt. Dann kam der Blackout, die Defensive kollabierte, die Powerplay-Quote fiel auf 9,3 %. Stewart versuchte es mit Line-Shuffles, mit Video-Sessions, mit einem versteckten Team-Meeting in der Eishalle. Nichts fruchtete. Die Kabine applaudierte, aber sie folgte nicht mehr.

Der 53-Jährige hatte 2021 den Laden übernommen, führte die Grizzlys zweimal ins Halbfinale, einmal ins Viertelfinale. Letzte Saison war bereits Rot-Weiss – jetzt wurde es Kornblumenblau. Stewarts Verläufer läuft ohnehin aus, ein Weiterarbeiten galt intern als „nicht mehr vermittelbar“. Die Entscheidung war laut Klubspitze „ein Schnitt, nicht ein Sturz“. Für Stewart heißt das: kein Cent Abfindung, kein Abschiedsspiel, nur ein kurzer Handschlag im Parkhaus.

Haskins muss sofort liefern – und dann ingolstadt brennen sehen

Am Mittwoch (19.30 Uhr) empfangen die Grizzlyn den ERC Ingolstadt, der sich bereits für die Viertelfinal-Tickets warmhält. Haskins’ Job beginnt mit einem Gegner, der keine Gnade kennt. Seine erste Trainingseinheit: heute früh um 10 Uhr, vor verschlossenen Türen. Keine Medien, keine Fans, nur 22 Spieler, ein Assistent und die Last der eigenen Historie. Wolfsburg braucht vier Siege aus den letzten fünf Partien, um die Pre-Playoffs sicher zu machen. Alles andere wäre das erste Mal seit 2012, dass die Grizzlys im April nicht dabei sind.

Die Uhr tickt. Die Eisfläche ist frisch geschrubbt. Und Tyler Haskins steht wieder dort, wo er einst als Kapitän jubelte – nur dass er jetzt mit dem Stück Kreide in der Hand steht, nicht mit dem Puck. Die Frage ist nicht, ob er die Mannschaft rettet. Die Frage ist, ob er sie rechtzeitig rettet.