Wolfsburg bläst zur attacke: lerch will lyon auch im rückspiel ärgern
Der VfL Wolfsburg hat Lyon gebeutelt, nicht nur besiegt. Das 1:0 im Hinspel war ein Kinnhaken, kein Glückstreffer. Stephan Lerch redet nicht vom Wunder, er spricht vom Plan. Und der sieht vor, auch im Rückspiel in Frankreich die Favoritin zu drängen, zu drücken, zu demütigen.
Lerch warnt vor der „intensitätswelle“ im parc olympique
„Wir haben ihnen das erste Mal in dieser Saison die Stirn geboten“, sagt der Trainer, nachdem Lineth Beerensteyn den Ball in der 14. Minute versenkte. „Aber Lyon wird zurückschlagen. Dort wartet eine Atmosphäre, die frißt dich, wenn du nur einen Moment nachlässt.“ Die Statistik spricht gegen Wolfsburg: Sechs Pleiten in Serie, zwei Finalniederlagen 2018 und 2020, immer an der gleichen Stelle. Doch diesmal reist der VfL nicht als Opfer, sondern als Jäger.
Lerch baut seine Elf auf Umkehrung. Gegen den Ball soll Pelkums schnelle Außen die Räume kreieren, die Tabea Sellner und Svenja Huth in den Halbräumen zerstören. Die Vorbereitung lief im Geheimen: Drei Tage Trainingslager im Wald, keine Medien, keine Handys. „Wir haben uns an die Wand gemalt, wie wir Lyon in die Knie zwingen“, verrät Innenverteidigerin Kathrin Hendrich. Die Wand war voller Pfeile, Kreuze, Zahlen. Eine Kriegskarte.
Die zweite Halbzeit des Hinspiels war ein Lehrstück in Überleben. Lyon schoss neunmal, traf den Pfosten, denkt an den Ausgleich. Wolfsburg verteidigte mit Herzklopfen, aber mit System. „Wir haben gezittert, klar. Aber wir haben nicht gezittert, weil wir Angst hatten, sondern weil wir wollten“, sagt Lerch. Die Datenanalysten des VfL zählten 47 Balleroberungen in der eigenen Hälfte – Rekord in dieser Champions-League-Saison.

Beerensteyn: „wir sind nicht mehr die, denen man vorhersagt, dass sie verlieren“
Die Niederländerin trägt seit dem Sieg ein Tattoo auf dem Unterarm: ein Wolf, der einen Löwen an der Kehle packt. „Ich habe es mir stechen lassen, noch bevor wir das Ticket nach Lyon hatten“, sagt sie lachend. „Jetzt fehlt nur noch der zweite Biss.“ Ihr Tor war ihr fünftes in dieser K.o.-Phase, kein deutscher Klub hatte jemals eine Spielerin, die so früh in der Runde so effizient traf.
Disney+ sicherte sich die Rechte für das Rückspiel exklusiv, die Einschaltquoten dürften explodieren. Doch Lerch blockiert jeden Sponsorenwunsch nach Zugang. „Keine Kameras im Hotel, keine Mikros im Bus. Die Mädchen sollen schlafen, nicht performen.“ Die Mannschaft fliegt erst am Spieltag, mit der Charter einer Logistik-Firma, die sonst Formel-1-Material transportiert. Statt Champagner gibt es Magnesium, statt Interviews Taktikbriefing auf Tablets.
Die Wette: Wer in Lyon überlebt, trifft im Halbfinale auf Barcelona oder Chelsea. Für Wolfsburg wäre es das erste Finale seit 2020. Für Lyon der erste Ausscheidung seit 2011. Eine von beiden Serien bricht. Lerch nimmt einen Schluck Wasser, schaut auf die Uhr. „24 Stunden bis Abflug. Dann gibt es kein Zurück mehr.“ Er lächelt, aber es ist kein Lächeln des Triumphes – es ist das eines Mannes, der weiß, dass er gerade erst den Anfang geschrieben hat.
