Wm 2026: kann ein „schummelfaktor“ das turnier trüben?
Kansas City – Der neue Modus der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 birgt ein überraschendes Dilemma: Am letzten Gruppenspieltag könnten einige Teams einen unfairen Vorteil haben, da sie bereits wissen, was sie zum Weiterkommen benötigen. Eine Situation, die an die berüchtigte „Schande von Gijon“ 1982 erinnert und nun für Gesprächsstoff sorgt.
Die mathematische falle
Die Gruppen J, in der auch die österreichische Nationalmannschaft vertreten ist, bestreiten ihre letzten Spiele erst am 3. Gruppenspieltag. Das bedeutet: Wenn Österreich und Algerien in Kansas City aufeinandertreffen, wissen beide Mannschaften genau, welche Ausgangslage sie haben. Ein Remis könnte für beide Teams ausreichend sein, um sich als Gruppenzweiter oder Dritter für die K.o.-Runde zu qualifizieren – vorausgesetzt, die Regel, dass die acht besten Gruppendritten weiterkommen, bleibt bestehen.
Doch hier liegt der Haken: Ein solches Szenario eröffnet die Möglichkeit einer „absprachefähigen“ Partie, wie sie im Fußball gerne vermieden wird. Theoretisch könnten beide Teams ein Ergebnis wählen, das ihnen beiden am besten passt, beispielsweise ein Unentschieden, um gemeinsam weiterzukommen. Die Konsequenz wäre ein Fußballspiel ohne wirklichen Siegerwillen, ein trauriger Anblick für die Fans.

Erinnerung an gijon: eine dunkle stunde des fußballs
Die Geschichte wiederholt sich? Das denkt sich zumindest mancher Fußballfan, wenn er an die „Schande von Gijon“ bei der WM 1982 erinnert wird. Damals spielten Österreich und Deutschland in derselben Situation, beide wussten, dass ein 1:0-Sieg für beide Teams zum Weiterkommen reichte. Das Ergebnis war ein ungewöhnliches Ballgeschiebe, das als einer der dunkelsten Momente der WM-Geschichte in die Annalen einging. Der damalige ARD-Reporter Eberhard Stanjek sprach in der Live-Übertragung von einer „Schande“.

Mehr als nur ein theoretisches problem
Das Problem ist nicht neu. Bereits 2018 gab es ähnliche Situationen. Frankreich und Dänemark spielten ein 0:0, das für beide Teams zum Weiterkommen reichte. Auch Japan nutzte eine taktische Finesse, um Senegal auszuschalten. Und bei der EM 2004 profitierten Dänemark und Schweden von einem ähnlichen Szenario.
Die Gruppendrittenregel, die bei der WM 2026 erneut zum Einsatz kommt, verstärkt die Verwirrung zusätzlich. Teams, die ihren Gruppenspieltag bereits absolviert haben, könnten durch die Kenntnis der Ergebnisse anderer Gruppen eine strategisch vorteilhafte Position einnehmen. Ein Sieg für das eigene Team könnte dann plötzlich unattraktiver sein als ein Unentschieden, wenn es die Chancen auf ein leichteres Los im Sechzehntelfinale erhöht.
Die FIFA wird sich dieser Problematik bewusst sein müssen und möglicherweise weitere Maßnahmen ergreifen, um Manipulationen vorzubeugen. Denn der Fußball lebt von Spannung, Leidenschaft und dem unbedingten Siegeswillen – nicht von kalkulierten Ergebnissen und einem „Schummelfaktor“. Es bleibt zu hoffen, dass die WM 2026 nicht zu einem weiteren Kapitel in der Geschichte der fragwürdigen Fußballergebnisse wird.
