Wm 2026: begeisterung schwindet – was bedeutet das für deutschland?

Die Fußball-WM 2026 in Nordamerika spaltet die Gemüter. Während die Organisatoren mit einem aufgeblähten Turnierprogramm und fragwürdigen Bedingungen werben, stellen sich viele deutsche Fans die Frage: Lohnt sich das noch?

Ein turnier, das emotionen überfordert

Ein turnier, das emotionen überfordert

Ilja Behnisch, unser Kolumnist, hat die Nagel auf den Kopf getroffen: Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft scheint für viele Fans zweitrangig geworden zu sein. Nicht etwa, weil die Mannschaft schlecht spielen würde, sondern weil die Rahmenbedingungen des Turniers zunehmend irritieren. 48 Mannschaften, 104 Spiele – das ist eine Mammutaufgabe, die weder den Spielern noch den Zuschauern gerecht wird. Und dann die Frage der Austragungsorte: Die USA unter Donald Trump, ein Land mit fragwürdigen Arbeitsstandards – das wirft ein schlechtes Licht auf den Fußball.

Die Zeiten haben sich geändert. Erinnern wir uns an die WM 1990, als die Wiedervereinigung und der deutsche Sieg ein Gefühl nationalen Stolzes auslösten. Oder an das Sommermärchen 2006, als die Viertelfinal-Niederlage gegen Argentinien zu kollektivem Jubel in Kreuzberg führte. Diese Zeiten scheinen vorbei. Die Leidenschaft hat verblasst, erstickt von Marketing-Deals und profitorientierten Interessen.

Behnisch spricht von einem „Afterwork-Event einer Werbeagentur“, das der Nationalmannschaft das Leben entzogen hat. Oliver Bierhoff und Jogi Löw mögen ihren Beitrag dazu geleistet haben, aber das Problem ist tiefergehend. Es geht um den Verlust der Idee, um die Entfremdung des Fußballs von seinen Wurzeln.

Was bleibt? Die Spieler der aktuellen Mannschaft sind sympathisch, einige können sogar richtig gut kicken. Aber es fehlt das große Ganze, eine Vision, die über den Sieg hinausgeht. Behnisch schlägt eine radikale Lösung vor: eine Weltmeisterschaft, bei der nicht Nationalmannschaften, sondern Vereinsauswahlteams aus verschiedenen Ligen gegeneinander antreten. Eine verrückte Idee? Vielleicht. Aber sie hätte den Vorteil, dass sie die Vielfalt des Fußballs widerspiegelt und die nationalen Identitäten nicht verzerrt.

Und dann sind da noch die positiven Ausnahmen: Die norwegischen Kinder, die ihren Stolz nach jedem Spiel feiern, die Schotten, die friedlich und ausgelassen Bier trinken, die Japaner, die ihren Müll mitnehmen. Menschen, die den Geist des Sports leben, ohne ihn zu verhöhnen oder zu instrumentalisieren.

Die FIFA mag sich nicht darum kümmern, aber für viele Fans ist die WM 2026 ein Weckruf. Es ist Zeit, die Prioritäten neu zu ordnen und sich auf das zu konzentrieren, was den Fußball wirklich ausmacht: Leidenschaft, Teamgeist und die Freude am Spiel. Denn Fußball sollte mehr sein als nur ein Geschäft.