Deutschland gegen südkorea: der tag, an dem eine ära endete

Kasan, 27. Juni 2018. Ein Datum, das in der deutschen Fußballgeschichte als Synonym für Schock und Erniedrigung verzeichnet wurde. Vor acht Jahren schied das DFB-Team als amtierender Weltmeister aus der Gruppenphase der WM in Russland aus – ein Trauma, das bis heute nachwirkt und die Frage aufwirft, wie ein vermeintlich unschlagbares Team so dramatisch versagen konnte.

Die vorgeschichte: eine missratene gruppenphase

Die Niederlage gegen Südkorea war kein plötzlicher Zusammenbruch, sondern das logische Ergebnis einer desaströsen Gruppenphase. Das 0:1 gegen Mexiko in Moskau hatte bereits die Risse in der vermeintlichen Weltmeister-Armada offenbart. Defensiv wirkten die Deutschen anfällig, offensiv fanden sie kaum Mittel gegen die kompakt stehenden Mexikaner. Toni Kroos‘ Last-Minute-Treffer gegen Schweden brachte zwar kurzzeitig Hoffnung, doch das Spiel war weiterhin von einer erschreckenden Lackierung geprägt.

Die taktische verwirrung gegen südkorea

Die taktische verwirrung gegen südkorea

Gegen Südkorea versuchte Bundestrainer Joachim Löw mit einer Fünf-Wechsel-Strategie, die Wende herbeizuführen. Mats Hummels und Niklas Süle ersetzten Jérôme Boateng und Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung, Sami Khedira kam für Sebastian Rudy, Julian Draxler und Thomas Müller saßen zunächst auf der Bank. Doch der erhoffte Impuls blieb aus. Deutschland dominierte zwar mit über 70 Prozent Ballbesitz und 25 Torschüssen, fand aber kaum Mittel, das gegnerische Tor zu gefährden.

Das drama in der nachspielzeit

Das drama in der nachspielzeit

Als die Nachricht vom Zwischenstand im Parallelspiel zwischen Schweden und Mexiko – Schweden führte deutlich – die Runde machte, geriet das deutsche Spiel vollends aus den Fugen. Löw verzichtete auf taktische Disziplin, warf alles nach vorne und wurde in einer historischen Nachspielzeit eiskalt bestraft. In der 92. Minute prallte eine Ecke unglücklich von Toni Kroos ab, Young-Gwon Kim war schneller am Ball und traf zum schmeichelhaften 1:0 für Südkorea. Nur wenige Augenblicke später verlor der weit aufgerückte Manuel Neuer den Ball, Se-Jong Ju schickte Heung-Min Son damit auf den Weg zum 2:0-Endstand. Der Schlusspfiff besiegelte das historische erste Vorrunden-Aus der DFB-Elf.

Mehr als nur ein spiel: das ende einer ära

Das Desaster von Kasan war nicht nur das Ende eines Turniers, sondern auch der Abgesang auf eine goldene Ära des deutschen Fußballs. Die Intensität, die Flexibilität und der unbedingte Siegeswille, die vier Jahre zuvor in Brasilien zum Titel geführt hatten, waren verschwunden. Die Mannschaft hatte die Balance verloren, der einst erfolgreiche Ballbesitzfußball war zu einem trägen und konteranfälligen System verkommen. Der Hunger der verbliebenen Weltmeister von 2014 konnte nicht mit der Unbekümmertheit jüngerer Spieler verbunden werden.

Ein langsamer umbruch und die folgen

Die Entlassung von Hummels, Boateng und Müller erfolgte zwar, doch der notwendige Umbruch beim DFB wurde unnötig lange verzögert. Löw blieb trotz massiver Kritik im Amt, bis sein Aus bei der EM 2021 gegen England feststand. Hansi Flick übernahm daraufhin das Ruder, scheiterte aber ebenfalls an der WM in Katar und der Heim-EM 2024. Erst unter Julian Nagelsmann scheint Deutschland wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Doch Kasan bleibt ein Mahnmal – ein eindringlicher Beweis dafür, wie schnell sportliche Dominanz verflüchtigen kann, wenn die Weiterentwicklung nachlässt. Das Spiel gegen Südkorea war nicht nur ein Spiel, sondern ein Weckruf.