Wm 2026: 16 anstoßzeiten, 48 teams – der terminplan wird zum chaos-kalender
Am 11. Juni um 21 Uhr Mexiko-Zeit flitzt der erste Ball im Aztekenstadion, und damit beginnt nicht nur eine Weltmeisterschaft, sondern ein Experiment am Rande der Belastbarkeit: 48 Nationen, 104 Partien, vier Zeitzonen – und ein Programm, das selbst Hardcore-Fans an die Grenze der Schlaflosigkeit treibt.
Deutschland landet im nacht-loch
Die DFB-Auswahl um Julian Nagelsmann bekommt es in Gruppe E mit Curacao, der Elfenbeinküste und Ecuador zu tun. Klingt machbar, doch die Uhrzeit macht den Unterschied: Das Auftaktspiel in Houston startet noch human um 19 Uhr MESZ, danach wird es rabiat. Sowohl die Partie gegen die Elfenbeinküste (20. Juni, Toronto) als auch das Finale gegen Ecuador (25. Juni, East Rutherford) fallen auf 22 Uhr MESZ – Mitternacht vor Ort, eine Zeit, in der selbst die Stadionbierzapfer bereits die ersten Kaffeekannen aufsetzen.
Die FIFA verteilt die Spiele wie ein Roulette-Spiel über den nordamerikanischen Kontinent. Das Ergebnis: 16 verschiedene Anstoßzeiten, ein Novum in der Geschichte des Turniers. Grund sind nicht nur die vier Zeitzonen, sondern auch die klimatischen Realien: Miami bei 35 Grad im Schatten, Vancouver bei 18 Grad und Nebel – die Spieltage werden zum Wetterlotto.

Mexiko eröffnet, kanada schließt ab
Eröffnen wird Co-Gastgeber Mexiko am 11. Juni gegen Südafrika – ein Symbolspiel im Aztekenstadion, dem Bauwerk, das bereits zwei WM-Finals gesehen hat. Enden wird die Gruppenphase am 28. Juni, wenn um 4 Uhr MESZ gleich vier Partien parallel laufen, darunter Argentinien gegen Jordanien. Die Logik dahinter: FIFA-Präsident Infantino möchte Chancengleichheit. Die Nebenwirkung: Europäische Fans müssen Wecker stellen, Amerikaner schlafen gehen.
Die K.-o.-Runde folgt einem ähnlichen Muster. Das Sechzehntelfinale spannt sich vom 28. Juni bis 4. Juli, wobei die letzte Partie um 3.30 Uhr MESZ beginnt. Wer danach noch die Stimme hat, um „Ja, wir können Titel“ zu singen, gehört zur Spezies der Nachtschwärmer.
Ein Blick auf die TV-Rechte zeigt: MagentaTV sicherte sich exklusiv 20 Spiele, darunter alle deutschen Gruppenpartien. Der Rest landet bei ARD und ZDF – doch selbst die öffentlich-rechtlichen Sender müssen ihr Programm neu erfinden: Frühsport statt Frühschoppen, Mitternachtsjournal statt Tagesschau.
Die WM 2026 wird nicht nur die größte, sondern auch die längste der Geschichte: 39 Tage, 104 Spiele, ein Kontinent im Ausnahmezustand. Die FIFA nennt es „Fußball für alle“. Klingt nach Inklusion, endet in chronischer Müdigkeit. Die Spieler gewöhnen sich an künstliches Licht, die Fans an künstliche Wachheit. Am 19. Juli um 21 Uhr MESZ ist Schluss – oder beginnt für Europäer eigentlich erst der Nachmittag des 20. Juli?
Die Bilanz: Wer dabei sein will, braucht nicht nur Trikot und Fangesang, sondern einen guten Wecker und einen besseren Kaffee. Nordamerika wird zum Schlafzimmer der Welt – und Mexiko, USA und Kanada zur riesigen Snooze-Taste.
