Wittmann attackiert heimliches pfeifkonzert: ingolstadts comeback wird ausgepfiffen

Ingolstadts Trainerin Sabrina Wittmann schickt ihre Mannschaft Samstag gegen Aachen aufs Feld – und tritt vorab den heimischen Rängen mit offenem Visier entgegen. Die Schanzer haben sich aus dem Keller der 3. Liga befreit, doch statt Jubel hallt Applaus nur vereinzelt durch die Audi-Sportpark-Betondecken. Wittmann nennt das, was sie hört, beim Namen: «eine Region, die sehr kritisch mit uns ist». Der Vorwurf: Selbst nach zwei sauberen Ballkontakten pfeifen Teile des Publikums. Die Spieler spüren die Kälte, der Coach spürt Wut.

Kein abstiegsduell mehr, trotzdem halb leere ränge

Vor vier Monaten stand Aachen auf einem direkten Abstiegsplatz, Ingolstadt einen Punkt davon entfernt. Nun kämpfen beide um die obere Tabellenhälfte. Die sportliche Wende ist laut Wittmann «kein Zufall» – junge Spieler integriert, ein klares Spielprinzip installiert, Konstanz gefordert. Doch statt sich in den Sitzreihen zu verdichten, bleibt der Parkplatz vor dem Stadion oft leerer als der Rasen innerhalb der Sechzehner. Die Trainerin rechnet intern mit knapp 6.000 Zuschauern, obwohl das Ticket für die Gegengerade nur zwölf Euro kostet. «Das verunsichert die Jungs», sagt sie. «Wir wollen Lärm, keine Lautsprecher-Stille.»

Die aktive Fanszene erhält Lob, doch der Rest? «Wenn die Gegengerade pfeift, obwohl wir gerade den Ball sichern, frage ich mich, wofür wir überhaupt laufen», so Wittmann. Sie spricht von «Dauerkritik statt Dauerkarte» und fordert: «Kommt, seht, was sich entwickelt hat.» Die Zahlen sind beredt: Im Schnitt 5.812 Zuschauer – das ist das schlechteste Heim-Debüt eines Aufstiegskandidaten seit fünf Jahren.

Gast mit gindorf, gastgeber mit gruppen-plan

Gast mit gindorf, gastgeber mit gruppen-plan

Aachens Torjäger Lars Gindorf trägt 20 Buden im Gepäck, führt die Torschützenliste an. Ingolstadt will ihn nicht mit Manndeckung entzaubern, sondern durch Kollektiv-Pressing isolieren. «Wir verändern keine Systematik nur für einen Namen», sagt Wittmann. Die Defensive hat in den letzten drei Partien nur ein Gegentor kassiert, Gindorf blieb in beiden Auftritten gegen die Schanzer ohne Treffer. Statistik als Psychospiel: Wer den Angreifer stoppt, stoppt die ganze Alemannia.

Anpfiff 14 Uhr, LIVE im Ticker. Für Ingolstadt geht es um den dritten Heimsieg in Folge, für Aachen um die Revanche für das 0:2 im Hinspiel. Doch auch um etwas Größeres: um die Rückkehr der Symbiose zwischen Rasen und Rängen. Wittmanns Appell ist klar: «Wenn wir die Kurve kriegen, sollte sie uns auch kriegen.»

Die Liga schaut aufs Mittelfeld, Ingolstadt schaut auf die Tribüne. Die Mannschaft ist bereit, die Frage ist nur: ist das Publikum es auch? Die Antwort ertönt um 14:03 – entweder als Pfiff oder als Jubel. Die Zukunft der Schanzer steht nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Plätzen.