Wirtz-zauber und defensiv-patzer: dfb siegt 4:3 gegen die schweiz

Florian Wirtz lachte, lief zur Südtribüne und streckte den Arm aus wie ein Flugzeug. Kurz zuvor hatte er den Ball mit links ins rechte Kreuzeck gebohrt, das 4:3 war perfekt, die Schweiz geschlagen. 18 Jahre hatte Deutschland auf einen Sieg im St. Jakob-Park gewartet – Wirtz brauchte 86 Minuten, um die Durststrecke zu beenden.

Zwei tore, zwei assists – und trotzdem bleibt ein beigeschmack

Die Zahlen sind glatt: vier Tore für den DFB, drei kassiert, drei Punkte für die Seele. Doch der Sieg klingt wie ein Sieg auf Abriss. Wer da hinten steht, baut noch immer Zimmer für gegnerische Chancen. Nico Schlotterbeck spielte den Pass, der in Basel als „folgenschwer“ durchs Mikro ging. Dan Ndoye bedankte sich, Breel Embolo roch Tahs Sekundenloch, Joël Monteiro nagelte Baumann fest. Dreimal klackerte der Ball im Netz, dreimal schaute die Defensive weg.

Julian Nagelsmann sprach hinterher von „viel Positives“, ließ aber zwischen den Zeilen erkennen, dass Sonntag auf Video ungemütlich wird. „Wir haben Räume zugelassen, die wir uns ausrechnen können“, sagte er und klang dabei wie ein Mathelehrer, der weiß, dass die Klasse die Hausaufgaben vermasselt hat.

Matthäus schwärmt, kimmich blutet

Matthäus schwärmt, kimmich blutet

Lothar Matthäus saß im RTL-Studio und verwandelte sich live in einen Fan. „Geniestreich“, rief er, als Wirtz den zweiten Traumtreffer versenkte. Sekunden zuvor hatte der Kapitän Joshua Kimmich am Boden gelegen, blutete aus der Nase, nachdem Johan Manzambi ihm den Ellenbogen serviert hatte. Kimmich spielte weiter, wischte sich das Rot ab und stichelte später: „So ein Test dient eben auch dazu, dass man weiß, wie man aussieht mit Blut im Gesicht.“

Das Spiel selbst war ein Schlagabtausch mit Handwerkerqualität: vorne geschliffen, hinten schleift Sand. Serge Gnabry hob sich die Pausenführung mit einem Lupfer über Kobel heraus, Tah köpfte das 1:1, Wirtz bereitete alles vor, was nicht niet- und nagelfest war. Selbst als Monteiro das 3:3 schoss, schien nur Wirtz zu wissen, dass die Geschichte noch nicht vorbei ist. Sein zweiter Geniestreich war ein Linksschuss, der keine Antwort zuließ – 4:3, Abpfiff, Jubel.

Die botschaft vor der wm: wir können tore, aber wir können auch tore kassieren

Die botschaft vor der wm: wir können tore, aber wir können auch tore kassieren

Der Blick richtet sich nach Stuttgart, wo am Montag Ghana wartet. Dort will Nagelsmann die Offensive nicht anfassen, nur die Abwehr. „Wir haben Sommermonate, um die Lücken zu kitten“, sagte er. Die Fans jubelten trotzdem, denn sie sahen, was in Nordamerika möglich ist: Torgefahr bis zur Schmerzgrenze. Wirtz bewies, dass er im Juli 2026 jeden Gegner zittern lassen kann, wenn er will.

18 Jahre ohne Sieg in Basel – beendet. Die nächste Marke heißt: 20 Jahre ohne WM-Titel. Wirtz hat schon mal vorgelegt, die Defensive muss nachziehen. Sonst wird das Sommermärchen schnell zum Sommeralbtraum.