Wirtz zündet in basel den turbo und erklärt den knockout zum „besten deutschland-spiel“
Basel – 90 Minuten, zwei Tore, zwei Vorlagen und ein Schlenzer, der die Schweizer Hintermannschaft ins Aus schickte: Florian Wirtz hat das DFB-Trikot gegen die Eidgenossen zum ersten Mal so richtig zerrissen. „Für Deutschland war es mein bestes Spiel“, sagte der 22-Jährige nach dem 4:3 im „Sportschau“-Interview und schob das 3:2 aus 18 Metern hinterher: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich schönere Tore erzielt habe.“
Liverpool-delle als schub für die wm-form
Der Kunstschuss war kein Zufall. Hinter ihm steckt ein halbes Jahr, in dem Wirtz auf der Insel lernen musste, was englische Verteidiger unter „Welcome to the Premier League“ verstehen. „Körperbetont ist dort kein Schlagwort, sondern Realität“, sagt Wirtz. „Ich habe gespürt, dass ich stärker werden muss, um den Ball zu behalten.“ Julian Nagelsmann ließ ihn in dieser Phase nicht hängen. „Er hat mir gesagt, dass ein Karriereverlauf ohne Delle nur in Powerpoint funktioniert. Die Wahrheit ist: Die Delle hat mir Stabilität verpasst.“
Die Zahlen sprechen für sich: Seit November gehört Wirtz zu den fünf europäischen Top-Liga-Spielern mit den meisten Torgebeteiligungen vor dem 23. Geburtstag – nur Jude Bellingham und Jamal Musiala liegen noch vor ihm. Gegen die Schweiz aber war es kein Statistik-Tupfen, sondern eine Demontage im Minutentakt. Er spielte 45 Pässe in den letzten Drittel, 38 davon kamen an – ein Wert, den zuletzt nur Toni Kroos in der Länderspielhistorie übertroffen hat.

Nagelsmann baut den schaltzentrum um wirtz
Der Bundestrainer hat die Offensive um Wirtz neu kabeln lassen. Gegen Ghana am Montag (20.45 Uhr, Stuttgart) droht erneut die Rotationsmaschine, doch der Leverkusener Ur-Kölner steht außer Frage. „Er ist unser Tempo-Macher“, sagt Nagelsmann und verweigert Leroy Sané eine Startplatz-Garantie. „Florian spielt, weil er Druck auf die Kette setzt, nicht weil er ein Star ist.“
Sané muss sich warm anziehen, Musiala darf neben Wirtz wieder durch die Zentrale kurven. Die Botschaft ist klar: Wer Lücken reißt, spielt. Wer nur mit dem Namen glänzt, sitzt. Das 4-2-3-1 lebt von Wirtz’ vertikalem Antritt, seine 34 km/h Spitze gegen die Schweiz ließ selbst den in Basel gescholtenen Breel Embolo staunen.

Ghana bekommt einen gegner, der nicht mehr fragt
Die Afrikaner reisen mit einer Abwehr, die in der Qualifikation nur zwei Gegentore kassierte. Doch das war gegen Angola und nicht gegen einen Wirtz, der in der 63. Minute den Ball mit der Innenseite um den halben Strafraum wickelte und Yann Sommer mit einem Seitfallzieher ans Kreuzeck nagelte. „Wenn ich so weitermache, darf ich mir vielleicht irgendwann einen Vergleich mit Mesut Özil erlauben“, sagt er und lacht den Satz weg, bevor er ihn in die Mikrofone fallen lassen kann.
Der nächste Gegner steht, die K.o.-Phase rückt näher. Wirtz will keine Halbsätze mehr machen. „Wir sind nicht hier, um Achtelfinal-Luft zu schnuppern. Ich will, dass die Gegner nach 20 Minuten merken: Heute wird nichts mehr.“ Die Schweiz hat den Warnschuss bekommen. Ghana ist dran. Und Wirtz? Der hat gerade erst angefangen, die Länderspiel-Geschichte umzuschreiben.
