Wirtz zaubert schweiz weg: 4:3-sieg schickt dfb mit vollgas ins wm-jahr
Basel bebt, die Nati jubelt, aber der Abend gehört Florian Wirtz. Vier Scorerpunkte, zwei Traumtore, ein Sieg im letzten Moment – 4:3 gegen die Schweiz, und plötzlich glüht das WM-Konto schon im März.
Der erste streich: schuss, zufall, wahnsinn
Minute 22, links am Sechzehner, kein Raum, kein Blick. Wirtz zieht ab, der Ball schlägt exakt im Knick ein. Nagelsmann lacht später: „Ob er das so plante?“ Wirtz gesteht: „Ein bisschen schon, aber nicht genau dort.“ Der Leverkusener nimmt das Geschenk mit, denn wer trifft schon aus dieser Position ins Kreuzek? Die Schweizer Abwehr stand wie versteinert, Sommer blieb starr, die deutsche Bank sprang auf. 1:1, Ausgleich, Startbefehl.
Danach wird es rasant. Tah köpft nach Wirtz-Flanke das 2:1, Musiala legt das 3:2 auf – wieder Wirtz. Zwischen den Treffern patzt die DFB-Defensive dreimal, doch jedes Mal antwortet Wirtz mit einem neuen Impuls. Er wirkt wie der Regler an Nagelsmanns Mischpult: ein Zugaben, sofort Lautstärke.

Das finale: 16 meter, 86. minute, keine gnade
Schweiz drückt, 3:3, die Rückschlagquote steigt. Dann Havertz klärt einen Konter, Wirtz nimmt den zweiten Kontakt mit, zieht aus halblinker Position ab – rechts unten, keine Chance. 4:3, Endstand, Schweigen im Joggeli. Wirtz jubelt mit zusammengebissenen Zähnen, so wie man jubelt, wenn man weiß, dass dies erst der Anfang ist.
Die Zahlen hinter dem Spektakel: 48 Ballkontakte, 5 Torschüsse, 4 davon on target, 2 Vorlagen, 94 % Passquote. Statistiker nennen es „erwartete Torgefahr von 1,67“ – Fans nenn es Kunst.
Doch die Kehrseite bleibt nageln: drei Gegentore, alle nach Standards oder Ballverlusten in der Aufbauphase. „Vermeidbar“, sagt Wirtz und zuckt mit den Schultern. „Wir sind noch nicht im Automatismus, aber wir haben die Qualität, das zu kitten.“ Nagelsmann bestätigt: „Wir wollen nicht 4:3, wir wollen 2:0. Trotzdem: Wer so viel Torgefahr entwickelt, darf sich selbstbewusst zeigen.“

Ein blick nach vorn: ghana wartet, klinge ist gezogen
Am Montag kommt Ghana in Frankfurt. Für Wirtz ist der Gegner Nebensache: „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken.“ Dahinter steckt eine Kampfansage an alle WM-Konkurrenten: Der 22-Jährige hat seinen Hebel gefunden, und er wird ihn nicht mehr loslassen.
Die Schweiz reist mit drei Gegentoren und einem blauen Auge heim, Deutschland fliegt mit einem Selbstvertrauen ins WM-Jahr, das man sich im Januar noch nicht erträumt hatte. Der Countdown läuft, Wirtz hat den Startschuss gegeben – und er wird nicht mehr aufhören zu laufen.
