Libyen schlägt alle: italiens öl kommt jetzt aus afrika

Libyen hat 2025 alle anderen Lieferländer hinter sich gelassen. 13,6 Millionen Tonnen Rohöl flossen aus Tripolis nach Italien – das entspricht 24,2 Prozent der gesamten Einfuhren und einem Zuwachs von 14,2 Prozent gegenüber 2024. Ein Ergebnis, das kein Zufall ist, sondern die Folge einer bewussten Umorientierung der italienischen Energiepolitik weg von politisch instabilen Regionen.

Afrika als neue säule der italienischen ölversorgung

Der afrikanische Kontinent insgesamt lieferte 23,46 Millionen Tonnen – 41,7 Prozent aller Importe, mit einem Plus von 11,9 Prozent. Die Zahlen stammen von Unem, der Unione energie per la mobilità, und sie zeichnen ein klares Bild: Afrika ist für Rom längst kein Ergänzungslieferant mehr, sondern das Rückgrat der Versorgung.

An zweiter Stelle folgen die ehemaligen Sowjetrepubliken, konkret Aserbaidschan und Kasachstan, mit 16,8 Millionen Tonnen – knapp 30 Prozent des Gesamtvolumens. Allerdings schrumpften diese Bezüge um 4,5 Prozent. Ein leises Signal, das in der Branche nicht unbemerkt blieb.

Amerika wächst, der nahe osten bricht ein

Amerika wächst, der nahe osten bricht ein

Amerika, als dritte Bezugsregion, lieferte 7,6 Millionen Tonnen (13,5 Prozent). Was hier auffällt: Brasilien legte um sagenhafte 122,1 Prozent zu – von nahezu null auf 1,34 Millionen Tonnen. Die USA blieben mit 5 Millionen Tonnen stabil, ein Plus von 3,2 Prozent. Venezuela hingegen lieferte nur noch 152 Tonnen, ein Rückgang von 54,1 Prozent. Caracas tauchte im Lieferkalender lediglich in April und Mai auf – danach nichts mehr.

Der eigentliche Schock kommt aus dem Nahen Osten. Minus 27,1 Prozent: Nur noch 6,85 Millionen Tonnen erreichten Italien aus dieser Region. Der Grund ist bekannt – und brutal. Die geopolitische Eskalation um den Iran, der nach dem US-israelischen Militärschlag vom 28. Februar 2026 die Straße von Hormus sperrte, hat die Lieferketten in der Region zerrissen. Schon der erste Angriff im Juni 2025 hatte die Märkte aufgeschreckt. Jetzt, mit der Meerenge dicht, drohen die Importe aus dem Nahen Osten in den ersten Monaten 2026 weiter einzubrechen.

Europa liefert kaum, die gesamtbilanz bleibt stabil

Europa liefert kaum, die gesamtbilanz bleibt stabil

Europa spielt in dieser Gleichung eine Nebenrolle: gerade einmal 1,51 Millionen Tonnen kamen 2025 vom alten Kontinent – 2,7 Prozent des Totals, mit einem Rückgang von 23,7 Prozent. Keine Überraschung, aber ein Wert, der die strukturelle Abhängigkeit Italiens von außereuropäischen Quellen noch einmal unterstreicht.

Unterm Strich importierte Rom 56,26 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr 2025 – praktisch identisch mit 2024, der Rückgang liegt bei lediglich 0,78 Prozent. Stabilität auf dem Papier. Darunter aber eine tektonische Verschiebung: weg vom Nahen Osten, hin zu Afrika. Libyen führt diesen Wandel an – und solange Hormus gesperrt bleibt, wird sich daran so schnell nichts ändern.