Krieg verjagt euroleague-teams: tel aviv und dubai müssen in belgrad und sarajevo umziehen
Die Bomben im Gazastreifen lassen nichts unberührt – nicht einmal den Spielplan der stolzen EuroLeague. Maccabi Tel Aviv, Hapoel Tel Aviv und das neue Emirat-Projekt Dubai Basketball müssen ihre Heimspiele ausgerechnet dort austragen, wo einst Jugoslawien zerbrach: Belgrad, Sofia, Sarajevo. Die Ironie ist bitter.
Die austragungsorte im überblick
Maccabi Tel Aviv, sonst in der Yad Eliyahu Arena ein Heimspiel-Monster, läuft künftig in der Aleksandar Nikolic Hall auf – dort, wo Partizan seine europäischen Nächte zum Kochen bringt. Hapoel Tel Aviv zieht ins bulgarische Sofia um, Dubai Basketball akzeptiert Sarajevo als Notstandsbüro. Die EuroLeague spricht neutral von „Beobachtung der Lage“, doch intern ist man sich einig: längerfristige Planung ist illusorisch.
Der Umzug kostet nicht nur Geld, sondern vor allem Nerven. Charterflüge, neue Hotels, fremde Umkleiden – und das alles, während die israelischen Spieler via Smartphone mitbekommen, dass ihre Heimatstädte wieder in Alarmbereitschaft sind. „Wir sind Profis, aber keine Roboter“, sagte ein Teammitarbeiter gestern vor dem Flug nach Belgrad. Die Ligleitung reagiert mit Wildcard-Regelungen: Termine werden storniert, nachgeholt, wieder storniert. Der Spielplan gleicht einem Puzzle, das man nachts im Dunkeln zusammensetzt.

Auswirkungen auf spieler und fans
Die Fans bleiben auf der Strecke. Maccabi-Anhänger, die sonst 10.000 Stimmen in Tel Aviv vereinen, dürfen höchstens per Live-Stream zuschauen – sofern die Server mitspielen. Die Kartenkontingente für die Ersatzhallen sind lächerlich: 1.200 Plätze für Maccabi in Belgrad, 900 für Hapoel in Sofia. Die Restkarten gehen an lokale Neugierige, nicht an Diaspora-Israelis, die spontan nach Serbien fliegen wollen.
Und der sportliche Nachteil? Ohne heimische Kulisse verflüchtigt sich die Intensität. Maccabi war in der Yad Eliyahu in dieser Saison noch ungeschlagen – in fremden Hallen kassierte man prompt eine Niederlage gegen Zalgiris. Die Statistik lügt nicht: Teams, die mehr als drei Heimspiele verlegen, verlieren im Schnitt 18 % mehr. Die Spieler sprechen offen von „Koffer-Müdigkeit“, Coaches von „Taktik-Kompromissen“. Die Nervosität steigt, die Dreierquote sinkt.

Finanzielle und logistische herausforderungen
Die Kosten explodieren. EuroLeague-Quellen sprechen von zusätzlichen 250.000 Euro pro verschobenem Spiel – Summen, die kleinere Klubs wie Hapoel Tel Aviv in Existenznot bringen. Die Versicherungen decken nur „politische Unruhen“ in der Region, nicht aber freiwillige Verlegungen. Also zahlen die Klubs aus eigener Tasche, während die Liga die TV-Rechte neu verhandelt. Sponsoren drohen mit Rücktritt, weil ihre Logos in halb leeren Hallen kaum Screentime bekommen.
Ein Funktionär aus München bringt es auf den Punkt: „Wir reden hier von Milliarden-Budgets, die an einem einzigen Kriegsziel hängen: dem Waffenstillstand.“ Solange Raketen über Tel Aviv fliegen, bleibt die EuroLeague ein geopolitischer Gefangener. Die nächste Entscheidung fällt am 15. Dezember – dann wird neu bewertet, ob die Teams zurückkehren dürfen. Bis dahin heißt es: Koffer packen, Visum checken, weiterspielen. Der Sport gewinnt selten gegen die Realität.
