Kovacs bvb liefert beste quote aller zeiten – und geht trotzdem leer aus

Die Saison ist gelaufen, der Pokal weg, die Champions League vorzeitig beendet. Doch wer jetzt glaubt, Niko Kovac und Borussia Dortmund hätten versagt, irrt. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2,11 Punkte pro Bundesliga-Spiel – nie zuvor schnitt ein BVB-Coach besser ab. Nicht Klopp, nicht Tuchel, nicht Favre. Der Kroate tritt in die Geschichtsbücher ein, während die Trophäen woanders landen.

Die macht der null kommt zu spät

24 Spieltage, zwei Niederlagen. Das hatte es in Schwarz-Gelber 59-Jahres-Bundesligageschichte nur dreimal – und nie mit dieser Konstanz. Das 2:3 gegen Bayern war erst die zweite Pleite, folgte auf ein 1:2 im Hinspiel. Wer so selten verliert, sollte Meister werden. Doch elf Punkte Rückstand bedeuten: selbst ein Perfektes Finish reicht nicht mehr. Die Null kommt zu spät, weil Bayern sieben Punkte mehr holte, als es die Dortmunder erlaubten.

Dabei liefert Kovac nach jedem Schlusspfiff das, was die meisten Vereine beten: Stabilität. Seit dem 14. Dezember traf sein Team in jedem Bundesliga-Spiel mindestens doppelt – 13 Partien am Stück. Wer sonst schafft das? Milan? Nein. Barcelona? Auch nicht. Nur der BVB und Leverkusen. Die Werkself steht allerdings im Pokalhalbfinale, Dortmund schaute schon im Achtelfinale in die Röhre.

Statistik versus silber: das alte dortmunder dilemma

Statistik versus silber: das alte dortmunder dilemma

Die Ironie: Kovac übertrumpft mit 2,11 Punkten nicht nur Tuchel (2,09) und Favre (2,08), sondern landet auch im Gesamt-Bundesliga-Ranking vor Größen wie Heynckes und Hitzfeld. Nur Kompany (2,5) und der Münchner Gästeblock Guardiola, Flick, Ancelotti liegen vor ihm. Was nützt’s? Ein Trainer, der historisch brilliert, aber am Ende der Saison nur die Meisterfeier im Fernsehen schaut – das ist Dortmund in Reinkultur. In der Ära nach dem Double 2012 wurde die Meisterschaft zur Monopolfrage, der BVB zur Statistik-Maschine.

Die Fans spüren das Dilemma. Sie feiern den Punktrekord, aber sie wollen Pokale. Sportlich bleibt Kovac trotz Bestmarke in der Risikozone; denn bei Dortmund zählt nur der Erfolg, der sich anhängen lässt. Die sportliche Leitung wird das Makro-Mikro-Spiel abwägen: einen Coach, der liefert, aber nicht liefert, was zählt. Die Verantwortlichen müssen entscheiden, ob sie 2,11 Punkte pro Spiel über einem Titel werten. Viel Zeit bleibt nicht – die Vorbereitung auf 2026/27 beginnt, bevor die aktuelle Saison offiziell endet.

Am 18. Mai steht Kovac mit leeren Händen da – und mit einem Eintrag, den keiner mehr verdrängt. Die Trophäen kommen und gehen, die Quote bleibt. Es ist das Dortmunde aller Superlative: beste Zahlen, leere Vitrine. Es wird wieder von „morgen“ gesprochen werden. Aber morgen ist ein anderes Wort für nie, wenn die Konkurrenz nicht nachlässt. Kovac kann nur weitermachen, Punkte sammeln, Rekorde brechen – und hoffen, dass irgendwann die Null hinten reicht, um vorne zu gewinnen.