Infantino landet in antalya – irans wm-ticket wird zur farce

Keine 24 Stunden nachdem Donald Trump die Iraner gleichzeitig ein- und auslud, klapperte Gianni Infantino in Antalya den Rasen runter und erklärte die Sache für gegessen. Der FIFA-Präsident schaute sich das Testspiel gegen Costa Rica an, klopfte den Spielern auf die Schulter und verkündete in der Halbzeit: „Der Iran wird bei der WM dabei sein.“ Punkt. Aus. Ende der Dikussion – so sein Kommentar.

Die Szenerie war bizarr. Infantino tauchte unangekündigt auf, umringt von Sicherheitskräften, während außerhalb des Stadions türkische und iranische Fans gegeneinander protestierten. Die FIFA hatte die Begegnung in der Türkei arrangiert, weil Teheran seine Teams offiziell Reisen in „feindliche“ Länder verboten hat. Das Protokoll: alles unter der Hand, keine offizielle Pressekonferenz, nur ein paar Kameras, die die 45-Sekunden-Show festhielten.

Was infantino verschweigt

Die politische Lage ist alles andere als geklärt. Im Irak schießen Milizen auf US-Stützpunkte, im Persischen Golf patroullieren Flugzeugträger, und in Washington diskutiert der Kongress über Sanktionen, die auch Sportverbände treffen könnten. Infantinos Satz „Es gibt nur Plan A“ klingt da wie ein Mantra gegen die Realität. Kein Plan B? Die FIFA hat bereits Ersatzstätten in Mexiko und Kanada reserviert, nur falls … Ja, falls.

Die US-Regierung sendet seit Wochen widersprüchliche Signale. Trump schreibt auf Truth Social, die Iraner seien „willkommen“, hält es aber gleichzeitig für „unangemessen“. Das Weiße Haus verlangt zusätzliche Sicherheitsgarantien, das State Department prüft Visabestimmungen. Die FIFA-Spielleitung hat deshalb alle iranischen Delegationen für Mai zu Extra-Workshops nach Zürich eingeladen – Thema: Krisenkommunikation und Notfallausbürgerung.

Der iran plant trotzdem

Der iran plant trotzdem

Die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei hat bereits ihr WM-Quartier in Tucson/Arizona gebucht. Die Spiele der Gruppenphase sind zugeordnet: Los Angeles (Neuseeland, Belgien), Seattle (Ägypten). Tickets für die iranische Fan-Zone sind ausverkauft, obwohl die Regierung in Teheran Auslandsreisen für Zivilisten weiter einschränkt. Offiziell spricht man im Kulturministerium von „Sondergenehmigungen für Sportler“, inoffiziell von Sanktionsumgehung über den Sport.

Infantino weiß das. Er flog trotzdem nach Antalya, um ein Signal zu setzen: Der Fußball steht über dem Konflikt – zumindest bis zum ersten Abpfiff. Die FIFA kassiert 1,2 Milliarden Dollar allein aus US-Markenrechten für dieses Turnier. Ein Ausschluss des Irans würde nicht nur rechtliche Stürme auslösen, sondern auch Milliardenlöcher in die TV-Kalkulationen reißen. Deshalb das schnelle Foto, das schnelle Zitat, das schnelle Vergessen.

Die Spieler selbst halten sich raus. Kapitän Ehsan Hajsafi erklärte nach dem 2:1 gegen Costa Rica, man konzentriere sich „nur auf Fußball“. Dabei schauten sie alle auf das Handy, auf dem die Nachrichtenapp zwischen Torjubel und Protestbildern hin- und herschaltete. Sport als Insel? Ein Mythos, den sich gerade die FIFA leistet.

Die Uhr tickt. In 73 Tagen eröffnet das Turnier in Los Angeles. Die iranische Nationalhymne wird gespielt – vorausgesetzt, es gibt keinen neuen Raktenangriff, keine neue Verhaftungswelle, keine neue Twitter-Drohung. Infantino flog zurück nach Genf. Die Fans in Teheran feierten die Nacht durch, nicht weil sie an den Sieg glauben, sondern weil sie endlich wieder einmal das Gefühl hatten, auf dem Rasen zählt nur das Tor, nicht der Krieg. Die Realität holt sie spätestens am 11. Juni ein. Dann stehen sie in einem Stadion, das wie eine Insel wirkt – umgeben von Wüste, Protest und Milliardenbusiness. Die FIFA nennt das Sport. Die Welt nennt es Business. Der Iran nennt es einfach nur: WM.