Gaugisch rüttelt dhb-frauen wach: „silber-glanz verflogen – jetzt wird gearbeitet“

Markus Gaugisch schlägt mit der flachen Hand auf die Pultkante. 30:23 in Celje – Pflicht erfüllt, aber er sieht nur die sieben Zeitstrafen, das verrutschte Rhythmusgefühl, die Spielverderber-Miene seiner Profis. „Silber hin oder her – diese Unruhe müssen wir abstreifen, sonst knallt’s in Heidelberg“, sagt der Bundestrainer, und seine Stimme kratzt wie Schleifpapier.

Die taktik-map zittert im wind

Die deutschen Handballerinnen hatten sich vorgenommen, die Abstauber-Sloweninnen als Testlabor zu missbrauchen: Kreisläufe schärfen, Temposchaltung üben, die neue 3:2:1-Deckung einbrennen. Stattdessen hetzte sich das Team durch zwei Minuten-Amokläufe, verfiel in Einzelaktionen, spielte 60 Minuten lang auf Sicht. „Wir wollten Druck erzeugen, haben aber nur Druck erfahren“, sagt Gaugisch und meint damit die eigene Hälfte, in der die Ballannahme mehrmals wie ein Stotterdialog wirkte.

Die Zahlen sind laut, wenn man sie liest: elf technische Fehler, 52 Prozent Torquote, dazu jene sieben Zeitstrafen, die die Bank in Dauerunterbrechungs-Modus versetzten. „So bekommen wir keine klare Filmrolle für Sonntag“, hadert Gaugisch, denn Heidelberg soll die große Heim-Gala werden – und vor allem die vorzeitige EM-Ticketsicherung.

Heidelberg als endspiel statt schaulaufen

Am Sonntag, 15.30 Uhr, ProSieben MAXX, glühender Parkettboden – ein Sieg genügt, und die Qualifikation ist im Kasten. Aber Gaugisch will mehr: „Wir müssen wieder die Mannschaft sein, die in Hamburg Silber holte, nicht die, die in Celje zittert.“ Dafür hat er bereits das Videobrett geöffnet, Passfolgen herausgeschnitten, Laufwege neu koloriert. Die Botschaft: Tempo, aber mit Durchblick; Aggressivität, aber mit kühlem Kopf.

Die Spielerinnen reagieren mit erhobenem Zeigefinger. Lisa Sprenger sagt: „Wir wissen, dass wir besser können. Der Sieg ist schön, die Art stinkt.“ Kapitänin Alina Grijseels ergänzt: „In Heidelberg wollen wir die Fans nicht nervös, sondern euphorisch machen.“

Für Gaugisch ist das Duell gegen Slowenien Teil eines größeren Plans: Seine Vertragsverlängerung bis 2028 hängt nicht an einem einzelnen Turnier, sondern an der Frage, ob er eine Generation formt, die auch nach dem nächsten Olympia-Zyklus noch oben mitmischt. „Silber war der Einstieg, nicht das Ziel“, betont er und schickt seine Frauen zurück auf das Trainingsparkett, wo die nächste Laktattestung wartet.

Die Fans in Heidelberg bekommen ein Schnupperkino: Entweder sehen sie die Ruck-Zuck-Version der DHB-Auswahl – oder sie erleben, wie eine Mannschaft, die erst vor Wochen die Nation elektrisierte, plötzlich wieder Handball pur liefert. Für Gaugisch gibt es dabei nur zwei Szenarien: Sieg und Lehrfilm. Alles andere würde die Silbermedaille aus der Heim-WM zu einer ferner klingenden Erinnerung machen.