Eta lehnt tabellen-rechnerei ab: union will in leipzig zubeißen
Die Punkte liegen auf dem Rasen, nicht im Taschenrechner. Das hat Marie-Louise Eta am Freitagmorgen in der Anfangspresse-Runde klar gemacht. Vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig (20.30 Uhr/Sky) verweigert die Union-Trainerin jede Abschätzung über mögliche Konstellationen im Abstiegskampf. „Es sind noch sieben Mannschaften hinter uns. Es bringt nichts, sich die Tabelle anzugucken“, sagte die 31-Jährige. Ihr Blick richtet sich stattdessen auf den Red-Bull-Arena-Kunstrasen, wo ihre Elf mit einem Sieg den Klassenerhalt schon fast greifbar machen könnte.
Union reist mit dem selbstvertrauen des letzten auftritts
Der 1:2-Heimpleite gegen Wolfsburg zum Einstand hatte Eta mit offenen Augen ins Gesicht gesehen – und trotzdem eine klare Botschaft formuliert: „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, war ein sehr guter Schritt.“ Die Mannschaft habe enttäuscht, aber nicht verunsichert reagiert. Nun folgt die nächste Bewährungsprobe. Leipzig ist seit acht Partien ungeschlagen, schießt im Schnitt 2,3 Tore pro Spiel und drängt auf die Champions-League-Ränge. Doch die Tabellenlage schreibt auch den Sachsen Zwang auf die Fußsohlen. „Wir fahren hin, um etwas mitzunehmen“, betonte Eta und ließ dabei keinen Zweifel: Drei Punkte wären ein k.o.-Tritt für die Abstiegszone.
Die Zahlen sprechen für sich: Bei einer Niederlage würde der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 auf drei Punkte schrumpfen, auf Tabellenplatz 17 auf fünf. Bei einem Sieg hingegen wären neun Punkte Luft zwischen Union und dem Relegationsrang – bei nur noch drei ausstehenden Spielen. Die Eisernen hätten quasi die Hand schon am Rettungsseil. Doch Eta vertraut lieber auf Fußball-Logik statt Mathe-Lehrbuch: „Wir wollen unsere Leistung bringen, dann erledigt sich der Rest.“

Personelle fragezeichen und ein debütant im fokus
Ohne Robin Knoche muss die Köpenicker Defensive auskommen; der Kapitän laboriert an einer Syndesmoseblessur. Eta deutete an, auf Leopold Querfeld oder Diogo Leite zu setzen. Im Mittelfeld könnte Neuzugang Aljoscha Kemlein erneut von Beginn an laufen – seine Ballsicherheit gegen Wolfsburg hatte selbst intern für positive Gesprächsstoffe gesorgt. Offensiv hofft Union auf die Durchschlagskraft von Benedict Hollerbach, der in Leipzig vor allem auf den Ausfall von Loïs Openda blickt. „Wenn die Räume da sind, muss man sie treten“, fordert Eta.
Die Leipziger haben die letzten vier Heimspiele allesamt gewonnen, kassierten dabei nur zwei Gegentore. Doch genau diese Statistik schweißt die Berliner zusammen. „Wir haben nichts zu verlieren – und das macht uns gefährlich“, sagte Eta. Die erste Bundesliga-Trainerin der Geschichte weiß, dass ihre Mannschaft am größten wird, wenn die eigene Anspruchshaltung größer ist als die Angst vor dem Gegner.
Um 20.30 Uhr wird der Anpfiff ertönen. Dann zählt kein Prozentwert, kein Rechner, sondern nur das, was auf dem Platz passiert. Und wenn Union nach 90 Minuten etwas mitnimmt, könnte die Saison plötzlich ganz anders aussehen. Die Eisernen haben ihre Rechnung ohnehin schon aufgegeben – und genau das macht sie in Leipzig zur tickenden Zeitbombe für RB.
