Asphaltpreis explodiert: 80-prozent-kostenwelle droht italienischen straßen

Die Straßen Italiens stehen vor dem nächsten Schock. Siteb, der Dachverband der italienischen Straßenbauer, rechnet damit, dass die Kosten für Bitumen, Energie und Erdgas bis Sommer um bis zu 80 Prozent klettern könnten – im genauen Moment, in dem die meisten Wartungsarbeiten anstehen.

60 Prozent in vier monaten – die bitumen-hyperinflation

Die Zahlen sind brutaler als alles, was die Branche seit der Ukrainekrise 2022 erlebt hat. Der Bitumenpreis pro Tonne stieg zwischen Januar und April 2026 von 420 auf 680 Euro, eine Sprungmarke von 60 Prozent. Hinzu kommt die parallele Teuerung von Strom und Erdgas, die den Gesamtaufschlag auf nahezu 80 Prozent treibt. Die Ursache liegt nicht im Land selbst, sondern im Golf von Hormus, durch den nach wie vor kein Öl tankt – eine direkte Folge des Iran-Konflikts.

Das Timing ist perfide. Die Baustellen, die im Frühjahr ausgeschrieben wurden, basieren auf Kalkulationen aus dem vergangenen Herbst. Nun liefern, was man vor Monaten auf den Euro genau fixiert hat, kostet plötzlich fast das Doppelte. Für viele Kommunen ist das ein K.-o.-Schlag.

Pnrr-bauboom wird zur kostenfalle

Pnrr-bauboom wird zur kostenfalle

Die Projekte aus dem nationalen Aufbauplan PNRR laufen ausgerechnet jetzt an. Monatelang gebremst durch bürokratische Verzögerungen der Kommunen, starten sie jetzt alle auf einmal – und treffen auf eine schon jetzt überlastete Bitumenindustrie. Die Nachfrage ballt sich, die Preise zünden eine zweite Stufe.

Resultat: Stundungen, Teilausfälle, Sicherheitsrisiken. Wer kann, verzögert die Arbeiten bis in den Herbst. Wer nicht kann, muss entweder draufzahlen oder Standards senken. Beides gefährdet die Verkehrssicherheit auf italienischen Fernstraßen.

Lösungsvorschläge, die sofort wirken müssen

Lösungsvorschläge, die sofort wirken müssen

Siteb fordert eine rasche Reform der Preisrevision nach TOL-Indizes. Die bisherigen Indizes reagieren zu langsam, die Verträge damit faktisch Makulatur. Die Branche schlägt vor, die Preisgleitklauseln monatlich statt vierteljährlich anzupassen und dabei nicht nur Bitumen, sondern auch Energiekosten direkt einzubeziehen.

Kurzfristig hilft auch das neue „End-of-Waste“-Gesetz nur begrenzt. Recycelter Asphalt ersetzt maximal 30 Prozent des Rohstoffs – gut für die CO₂-Bilanz, aber kein Gegengewicht gegen eine 80-Prozent-Teuerung. Raffaella Donghi, Siteb-Präsidentin, sagt unmissverständlich: „Ohne schnelle Preisnachverhandlungen wird die Hälfte der Sommerbaustellen stillstehen. Und das nicht wegen technischer Probleme, sondern wegen leerer Kassen.“

Die Straßen Italiens haben schon viele Krisen überstanden. Diese droht, tiefer zu schneiden – und zwar genau da, wo sie am dringendsten gebraucht wird: in der Infrastruktur, die das Land zusammenhält.