93. Minute, 92. minute: aubstadt dreht die saison im schlaf

Der TSV Aubstadt schläft nicht, er träumt – und zwar bis zur Nachspielzeit. Zweimal in sieben Tagen schlug der Regionalligist dem Gegner ein Tor ein, als dessen Uhr schon auf Halbzeit stand. Das Ergebnis: vier Punkte, Platz sechs und ein Kader, der endlich wieder glaubt, dass Bozesans Mantra „bis zum Schlusspfiff“ kein Slogan ist.

Die rückkehrer werden zur geheimwaffe

Claudiu Bozesan hatte die Rechnung ohne Ingo Feser und Nico Schmidt gemacht. Feser, 183 Tage verletzt, stand erstmals wieder in der Startelf – und crossete in der 93. Minute exakt auf Schmidt, der selbst erstmals seit dem Wintertrainingslauf spielberechtigt war. Kopfball, 1:0 gegen Fürth II, Jubel wie nach einem Aufstieg. „Die Jungs haben mir die Eier gerettet, ohne zu ahnen, dass sie es tun“, sagt Bozesan, der in der Kabine Tränen in den Augen hatte.

Drei Tage später in Augsburg war Max Grimm an der Reihe. Sein letztes Tor datierte vom 23. September, sein letztes Lächeln vermutlich auch. Dann traf er in der 4. und – wieder – 92. Minute. Dazwischen legte Severo Sturm alle drei Treffer auf. Ergebnis: 3:3, obwohl Aubstadt zweimal zurücklag. „Wir haben den Gegner nicht geschlagen, wir haben ihn ausgepaukt“, sagt Grimm, der mittlerweile wieder zweimal pro Nacht aufwacht – nicht aus Angst, sondern aus purem Adrenalin.

Ansbach kommt – und mit ihm die alte rechnung

Ansbach kommt – und mit ihm die alte rechnung

Am Samstag gastiert die SpVgg Ansbach, die Aubstadt im Hinspiel 2:2 vom Platz fegte. Bozesan rotiert nicht. Er wird Timo Pitter undPascal Moll wieder einwechseln, beide nach Muskelbündelrisse genesen. „Wenn du in der Regionalliga lebst, lebst du von Momenten. Unsere kommen spät, dafür aber garantiert“, sagt der Trainer, der seine Stürmer nun sogar nachts per WhatsApp animiert: „Schlaft, aber träumt vom 94. Minute.“

Die Tabelle lügt nicht: Aubstadt hat die meisten Nachspielzeit-Tore der Liga, ist aber nur Neunter in der Torquote vor der 80. Minute. Die Botschaft ist klar – wer bislang nur 70 Minuten Gas gibt, muss 20 Minuten Herz zeigen. Oder wie Schmidt nach dem Augsburg-Spiel sagte: „Wir sind nicht fitter, wir sind nur weniger fertig.“

Die Fans planen bereits mit 14 Uhr Pfiff statt Anpfiff: „Wenn wir erst in der Nachspielzeit treffen, warten wir eben bis 16 Uhr“, sagt ein Dauerkarten-Inhaber. Bozesan lacht, aber er weiß: Gegen Ansbach reicht kein spätes Tor, wenn die ersten 90 Minuten verschlafen werden. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.