Windlotterie otepää: vittozzi trotzt zwei fehlern und lässt dsv-damen stehen
Lisa Vittozzi jagt sich in Otepää trotz zwei Strafrunden zum Sieg – und die deutschen Biathletinnen schauen wieder einmal in die Röhre. Vanessa Voigt ist mit Platz zehn beste DSV-Läuferin, Janina Hettich-Walz stürzt auf Rang 26 ab. Wind, Sand und Nerven – kein Deutscher stand am Samstag auf dem Podest.
Der wind pustte vittozzi zum sieg
Bei Sonnenschein und Böen bis 12 m/s feuerte die Italienerin zwei Mal daneben, lief dafür aber die zweitschnellste Zeit aller 60 Starterinnen. Suvi Minkkinen (Finnland/1 Fehler) und Lou Jeanmonnot (Frankreich/1 Fehler) mussten sich trotz besserer Trefferquote geschlagen geben. Vittozzi kassierte ihren dritten Saisonsieg – und den emotionalsten: „Der Wind war ein Wahnsinn, ich hab nur noch auf meine Skier geschaut und geballert.“
Die deutschen Farben? Blass. Voigt schob sich zwar von Platz 28 noch unter die Top-10, kassierte aber drei Strafrunden. Julia Tannheimer verbesserte sich um 15 Positionen auf Rang 14, doch das reicht im Winter der Enttäuschungen nur für ein müdes Lächeln. Marlene Fichtner (5 Fehler), Selina Grotian (5) und Julia Kink (6) erzählten dieselbe Geschichte: Schießen kaputt, Laufzeit egal.

Hettich-walz erlebt déjà-vu
Noch 24 Stunden zuvor hatte Hettich-Walz das Podest um 1,7 Sekunden verpasst – nun folgte der Absturz. Sechs Schießfehler, 26. Platz, 3:32 Minuten Rückstand. „Ich kam vom Stand und wusste: Heute läuft gar nichts“, sagte sie mit tränenrotem Blick. Die 29-Jährige schien nach dem Sprint-Coup die Nerven verbraucht zu haben. Beim DSV wird intern bereits über ein Mentoring-Programm gesprochen – zu viele Talente verenden an der Schießscheibe.
Die Männer lieferten sich dasselbe Drama. Philipp Nawrath rutschte mit sechs Fehlern auf Rang acht ab, Justus Strelow blieb außerhalb der Punkte. Trainer Mark Kirchner zuckte zusammen, als die letzte Scheibe klapperte: „Wir trainieren Toleranz im Wind, aber das hier war kein Wind – das war ein Orkan.“

Windkanal statt windstärke
Die Organisatoren hatten die Scheiben erst um zwölf Minuten vor Start auf 1,5 Meter Durchmesser verengt – trotzdem klatschten 24 Prozent der Geschosse daneben. Athleten forderten anschließend eine Windmessung alle 30 Sekunden, doch IBU-Sportdirektor Niklas Carlsson winkte ab: „Dann stehen wir bis morgen früh hier.“
Für die DSV-Damen bleibt nur die Hoffnung auf Kontiolahti – und die Erkenntnis, dass Olympia 2026 näher rückt. Wer in Otepää schon schwächelt, verspielt in Mailand jede Chance. Voigt packte ihre Ski ein und sagte trocken: „Zehnter Platz ist kein Befreiungsschlag, aber er rettet mir das Selbstbewusstsein.“
