Wien blutet: rapid und austria verspielen titelchancen – sturm graz lacht
Die Meistergruppe schlägt zurück. Rapid Wien patzt in Hartberg, Austria kassiert daheim eine Abreibung gegen Salzburg. Plötzlich liegt Sturm Graz vier, sechs Punkte voran – und die Wiener müssen um die Champions-League-Plätze zittern.
Seidl und fischer mit offenen worten nach dem debakel
Matthias Seidl stand mit zerknittertem Trikot vor dem Sky-Mikro: „W haben alles reingehaut, alles versucht.“ Klingt nach Einsatz, ist aber die Standardfloskel nach einem 2:2, das wie eine Niederlage schmerzt. Rapid dominierte phasenweise in der Oststeiermark, ließ aber wieder einmal die Killerinstinkt vermissen. Dreimal in Folge ohne Sieg – die Statistik riecht nach Krisenstimmung im Hütteldorfer Lager.
Bei der Austria war die Stimmung noch finsterer. Manfred Fischer, sonst eher der Ruhepol, sprach von „Angsthasen-Fußball“ in der ersten Hälfte. Keiner wollte den Ball, keiner wagte die Initiative. Salzburg dankte, ging mit 2:0 in die Kabine und verwaltete den Vorsprung souverän. „Wir nehmen uns viel vor, bringen unsere PS dann gar nicht auf die Straße“, klagte Coach Stephan Helm. Die Veilchen starten wie ein V8-Motor im Winter – viel Getöse, wenig Grip.

Die tabelle lügt nie: zwischenraum wird zum abgrund
Vier Punkte auf Sturm, sechs auf Salzburg – das klingt nach Aufholjagd, ist aber ein Minenfeld. Denn der LASK tanzt ebenfalls vorbei und Red Bull hat noch Nachholspiele in der Hinterhand. Für Rapid und Austria wird die Restsaison zur Kistenballett: Sie müssen gewinnen, gleichzeitig auf fremde Patzer hoffen und dabei nicht noch einmal straucheln.
Schon am Mittwoch gibt’s Rapid gegen Hartberg die Revanchechance. Seidl fordert „mehr Präzision im letzten Drittel und mehr Körper in der Box“. Euphemismen für: Wir müssen endlich Tore schießen, sonst wird das nichts mit der Meisterschaft. Die Austria reist nach Altach und braucht drei Punkte, um nicht vorzeitig zur Nebenrolle zu verkommen.
Der Wiener Fußball hat sich selbst ans Bein gefeuert. Die großen Namen, die großen Stadien – und am Ende stehen kleine Zahlen auf der Anzeigetafel. Während Graz feiert, reiben sich Rapid und Austria die Augen. Die Titelträume sind noch nicht tot, aber die Reanimationsgeräte stehen bereit.
