Wiebes rettet sich in letzter sekunde: frühfreude fast mit folgen
Lorena Wiebes schrie schon, als hätte sie gewonnen – aber das Rennen war noch nicht vorbei. In Wevelgem riss die 27-jährige Sprintkanonin von SD Worx-Protime die Arme hoch, blickte dann jedoch erschrocken nach links: Fleur Moors rödelte noch einmal an, und plötzlich schien alles offen. Erst 20 Zentimeter vor dem Band sicherte Wiebes sich den Sieg, ein halbes Radumdrehung später wäre es zu spät gewesen.
Der kemmelberg spaltet das feld – und wiebes spaltet die gruppe
Bei der letzten Passage des Kemmelbergs legte die Niederländerin selbst das Tempo vor. „Ich spürte, dass ich gute Beine hatte, also habe ich kurz entschlossen Gas gegeben“, sagte sie im Flash-Interview. Die Attacke trug: Aus 25 Fahrerinnen wurden zwölf, dann sieben. Hinter ihr schauten Karlijn Swinkels, Elise Chabbey und Moors erst einmal in den Staub. Doch die Koopération in der Spitzengruppe war nicht frei von Taktik. UAE-Team ADQ schickte allein Elena Gasparrini in die Offensive – zwei Mal. Beide Male musste Wiebes persönlich reagieren, bevor sie im Windschatten wieder Kraft tankte.
„Es war ein harter Sprint für mich“, gab sie zu. Ihre Sportliche Leiterin Danny Stam atmete erst auf, als das Foto finish ihre Fahrerin als Siegerin auswies. „Vielleicht sollte ich nächstes Mal Danny keinen Herzstillstand besorgen“, scherzte Wiebes. Die Statistik spricht trotzdem für sie: fünfte Saisonsieg, zweiter bei Women’s WorldTour-Rennen, und der zweite Triumph in Folge nach dem UAE-Tour-Etappenerfolg vor drei Wochen.

Franziska koch stürzt – und wird trotzdem 13.
Drama auch hinter der Entscheidung: Franziska Koch rutschte auf feuchtem Asphalt kurz vor dem Baneberg weg. Die FDJ-United-Fahrerin schleuderte in den Grünstreifen, remonte aber, fuhr 50 km/h-Schnitt und kletterte noch auf Rang 13. „Ich habe nur mein Rad kontrolliert und Gas gegeben“, sagte sie knapp. Ihre Teamkollegin Chabbey sprang dadurch auf den vierten Platz – ein schwacher Trost für die französische Equipe.

Moors zeigt: lidl-trek ist bereit für die klassiker
Die 23-jährige Belgierin Fleur Moors bewies mit ihrem zweiten Platz, dass Lidl-Trek in den Frühjahrsmonaten mitmischen will. „Ich habe gedacht, ich käme noch vorbei, aber Lorena hatte einfach mehr Schwung“, sagte sie. Teamchef Ina-Yoko Teutenberg lobte: „Fleur hat gezeigt, dass unsere Sprintzüge funktionieren. Das gibt Selbstvertrauen für Flandern.“
Die Zahlen sind eindeutig: Wiebes hat in diesem Jahr bereits acht Massensprints gewonnen, sieben davon endeten mit einem Radlänge Vorsprung oder weniger. Ihre Reaktionszeit im Finale von Wevelgem: 0,12 Sekunden – schneller als ein Blinzeln. Die Saison ist lang, aber wer sie schlagen will, muss jetzt schon den Millimeter genau treffen. Sonst jubelt sie wieder – und diesmal vielleicht nicht zu früh.
