Wie ein song ins kino kam – cena di classe startet heute

Heute läuft in Mailand ein Film an, der eigentlich unmöglich ist: Er erzählt die Geschichte eines Liedes. Cena di Classe bringt den Hit der Pinguini Tattici Nucleari auf die Leinwand – samt Bonelli, Daniela und Alex, der mit der Poesie Schluss gemacht hat.

Millennials zahlen sich ein, um ihre eigene jugend zu sehen

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Regisseur Francesco Mandelli hat zwei Jahre nach I soliti idioti 3 die Kamera wieder über Studienkameraden geschwenkt. Diesmal sind es keine Idioten, sondern Figuren aus einem Indie-Track, die plötzlich Realität werden. Beatrice Arnera und Herbert Ballerina führen ein Ensemble, das sich keine Sekunde fragt, ob ein Songroman funktioniert – er muss einfach.

Der Plan ist klar: Die Vorschauzahlen liegen auf Netflix-Niveau, die Tonspur ist schon vor dem Start auf Platz eins der Streaming-Charts. Kino-Manager in den UCI-Häusern rechnen mit 70 % Auslastung am Wochenende, ein Wert, den zuletzt nur Spider-Man erreichte. Die Logik dahinter: Wer den Song 2022 mitsang, kauft jetzt das Ticket, um zu schauen, wie sehr das eigene Leben auf der Leinwand lügt.

Hinter den Kulissen wurde in einem leerstehenden Gymnasium in Monza gedreht. Die Dekorateure bauten ein Klassenzimmer nach, das so italienisch ist, dass selbst der Espressokocher eine Nebenrolle spielt. Mandelli ließ die Schauspieler improvisieren, damit die Dialoge nicht nach Konserve klingen. Das Ergebnis: Michael „der Faulpelz“ tritt als lebender Meme auf, Romeo rezitiert das Cinque Maggio mit 1,2 Promille, und Daniela starrt in eine Margherita-Pizza, als wäre das Universum darunter versteckt.

Die Produktionskosten: 3,8 Millionen Euro. Die Marketingkampagne kostete noch mal 1,2 Millionen – dafür tiktocken Influencer seit drei Wochen die Szene, in der Bonelli seinen ersten Kuss kassiert. Die Marke Pinguini Tattici Nucleari lieferte nicht nur den Soundtrack, sondern auch 1,4 Millionen Follower mit. Das ist kein Film, das ist ein Cross-Media-Angriff auf die Nostalgie derer, die gerade mal 30 geworden sind.

Wenn heute Abend in Mailand die Lichter ausgehen, wird nicht nur eine Leinwand leuchten. Es leuchtet die Gewissheit, dass Popkultur kein Recycling mehr ist, sondern ein offenes Manuskript. Und dass ein Song, der in einem Proberaum in Rom entstand, jetzt Eintritt kostet. 9,50 Euro – inklusive Popcorn und dem Gefühl, dass die eigene Jugend doch noch ein Happy End bekommt.