Weyher tanz-underdogs stürmen die 2. liga – mit nur zwei stunden training pro woche

Zwei Stunden. Einmal pro Woche. Mehr Zeit investieren Michelle Oppermann und ihre Truppe nicht. Trotzdem stehen die Tänzer des SV Weyhe mittlerweile in der 2. Bundesliga – und lassen etablierte Vereine alt aussehen.

Sofa, fernseher, knall: so kam der aufstieg

Vor vier Jahren quatschten Oppermann und Laura Salmeri sich warm, stolperten über alte Videos ihrer Tanzzeit und beschlossen spontan: „Wir holen die Clique zusammen.“ Was wie ein Spaßprojekt klang, wurde zur Sensation. Erst Landesliga, dann Oberliga – plötzlich spielten sie in der zweithöchsten Spielklasse Nord mit. „Total verrückt“, sagt Oppermann, als hätte sie beim Lotto den Jackpot geknackt.

Die Rechnung geht auf, weil jeder Einzelne Erfahrung mitbringt. Viele haben schon Bundesliga-Turniere getanzt, andere Deutsche Meisterschaften. Warnken, der seit 2003 beim Verein ist, muss kaum korrigieren. „Denen sag ich’s einmal, sie verstehen’s. Für mich ist das pure Bequemlichkeit.“

Platz 5 bis 7: die abstiegszone

Platz 5 bis 7: die abstiegszone

Doch der Gegenwind wird spürbar. Nach vier Turnieren steht Weyhe auf Rang sieben – Abstiegsplatz. Am letzten Wochenende in Lübeck fehlten 0,8 Punkte zum Klassenerhalt. Die Formation „Heart & Soul“, gekauft von der TSG Bietigheim, ist technisch anspruchsvoll. Zwischen den Wettkämpfen wird geschraubt, aber einmal Training reicht kaum, um Perfektion zu polieren.

Die Konsequenz? Wahrscheinlich runter in die Regionalliga. Die Reaktion? Schulterzucken. „Wir wollen bleiben, klar. Aber wenn’s nicht klappt, tanzen wir nächstes Jahr wieder dort, wo wir hingehören – mit demselben Spaß“, sagt Sarah Oliver, die nach acht Jahren Pause wieder auf dem Parkett steht.

Die moral: spaß schlägt leistungsdruck

Die moral: spaß schlägt leistungsdruck

Während andere Vereine mit Ganztags-Plänen, Mental-Coaches und Sponsorenverträgen hausieren gehen, fährt Weyhe weiter sein Kontra-Programm. Keine Pflicht-Extra-Einheiten, keine Leistungstests, kein Gemeckere. „Bei uns bleibt der Fun-Faktor heilig“, betont Salmeri. Die Tänzer bezahlen ihre Trikels selbst, verreisen in Privat-Pkw, kochen gemeinsam Pasta in der Jugendherberge. Der Verein schickt keine Rechnung, sondern eine Dankes-Mail.

Trainer Warnken lacht, wenn er an die Profi-Strukturen erinnert wird, die er aus seiner Bundesliga-Zeit kennt. „Wir haben keine Analytics, keine Videoanalyse in Super-Zeitlupe. Wir haben Herzblut – und das reicht für den Sprung in die zweite Liga. Das ist der beste Beweis, dass Leidenschaft Systeme sprengt.“

Am Ende zählt nicht nur die Platzierung, sondern die Geschichte. Eine Geschichte, die beweist: Wenn sich Freunde auf einem Sofa verabreden, kann daraus ein sportlicher Märchenlauf entstehen – selbst wenn das Märchen nächste Saison einen neuen Kapitel-Titel bekommt. Die Tänzer um Oppermann werden weitertanzen. Zweimal die Woche? „Nie im Leben“, schmunzelt sie. „Einmal reicht – für die Seele und für die Liga.“