Wesley fällt: roms flügel-impuls vor inter-crunch weg
Roms Aufstiegsplan bekommt einen Riss. Wesley França zieht sich im Länderspiel Brasilien–Frankreich eine Oberschenkelzerrung zu und fehlt am Sonntag in Mailand – mindestens. Das Timing trifft die Roma mitten in der heißen Champions-Phase.
Der befund kommt heute
Gian Piero Gasperini wartet auf Zahlen. Erst nach der Landung in Rom untersuchen Clubärzte den 21-jährigen Außenverteidiger erneut, doch die erste Diagnose aus Boston spricht von einer Muskelfaserriss-Stufe 2. Mindestpause: drei Wochen. Das bedeutet neben dem Topspiel beim Tabellenführer auch die Partien gegen Pisa und Atalanta fallen flach – ein Viertel der Saison-Endphase ohne seinen Sprintgaranten.
Wesleys Ausfall ist kein Einzelschicksal. Nach Manu Koné fehlt bereits der zweite Ballgewinn-Motor. Der Brasilianer hatte gerade Fahrt aufgenommen: Seit Jahresbeginn fünf Vorlagen, 28 erfolgreiche Dribblings in Serie und die meisten Balleroberungen im letzten Drittel der Liga. Kurz: Gasperinis Druckventil rechts ist weg.

Angeliño oder rensch – die richtungsfrage
Der Trainer hat zwei Konzepte im Kopf. Entweder er setzt auf Angeliño, den spanischen Linksfuß, der nach monatelanger Verletzungspause gegen Lecce 23 Minuten bekam. Seine Qualität liegt in den flachen Hereingaben, doch die Frage lautet: Hält 90 Minuten Champions-Tempo nach einem halben Jahr Zwangspause? Oder er baut auf Devyne Rensch um, den Niederländer mit Sprintwerten über 34 km/h und 1,85 m Reichweite – ideal im Duell mit Denzel Dumfries, der Inters Flügelflitzer.
Die dritte Option, Kostas Tsimikas, rückt nur ins Blickfeld, sollte Gasperini das System auf 3-5-2 umbauen und links mehr Sicherheit suchen. Doch das würde die Offensive schwächen – und genau dort fehlt Wesley am meisten.

Ein lichtblick namens zeki
Während rechts die Lücke klafft, gibt es auf der Gegenseite Entwarnung. Zeki Çelik meldet sich nach Wadenproblemen rechtzeitig zurück. Der Türke bestätigte türkischen Medien, dass er am Dienstag gegen den Kosovo auflaufen kann – ein Indiz, dass er auch für San Siro einsatzbereit ist. Gasperini atmet auf, doch die Balance ist gestört: links stabil, rechts improvisiert.
Die Zahlen sind hart: Bei den letzten drei Auswärtsniederlagen fehlte jeweils ein Flügelstarter. Ohne Wesley sank die erfolgreiche Ballmitnahme über die Außen von 42 % auf 29 %. Der Ballbesitz verlängert sich ins Zentrum – genau dort lauert Inters Pressing.
Für die Roma geht es um mehr als drei Punkte. Nach dem Sieg gegen Lecce beträgt der Vorsprung auf den fünften Platz fünf Zähler. Verliert die Roma in Mailand, könnte sich die Lücke auf zwei schmelzen – und der Saison-Endspurt wird zum Gruppentod statt zur Champions-League.
Gasperinis Arbeitszettel: Die Alternative muss in fünf Tagen passen, sonst droht dem Flügel-System ein offener Flankentod. Die Uhr tickt laut – und Wesley sitzt in der Kabine, statt dribbelnd über die rechte Seite zu flitzen.
