Werder-frauen fallen aus pokal und tritt: frankfurt droht nächste klatsche
Null Tore, null Sieg, null Selbstvertrauen. Die Bremerinnen verlassen den Platz in Essen mit hängenden Schultern – und kaum Zeit, die Wunden zu lecken. Schon am Samstag empfangen sie Eintracht Frankfurt, die zweitstärkste Rückrunden-Mannschaft der Liga. Für Friederike Kromp und ihre Spielerinnen wird es zum Selbstretter-Kick.
Champions-league-träume zerploppt
Die Bilanz seit Weihnachten: vier Pflichtspiele, kein Sieg, drei magere Remis plus das Pokal-Debakel gegen den Tabellenvorletzten. Die Zahlen sind lauter als jedes Motivationsgelaber: Elf Nationalspielerinnen fehlten, der Rhythmus ist weg, die Punkte auch. Von einst Rang drei sind die Grün-Weißen auf Platz sechs abgerutscht – mit nur noch theoretischem Anschluss an die internationalen Ränge.
Kapitänin Lina Hausicke redet sich den Frust nicht schön: „Je länger es dauert, desto schwerer wird es.“ Trainerin Kromp versucht, das 0:1 in Essen als „Chance“ zu verkaufen. Doch was hilft die Rhetorik, wenn der Gegner Frankfurt bereits sieben Punkte vor Werder liegt und seit neun Spielen nicht mehr verlor?

48 Stunden orkus statt erholung
Donnerstag: Regeneration, Videoanalyse, Kraftzirkel. Freitag: 45-Minuten-Schliff auf Platz 11. Samstag, 14 Uhr: Anpfiff gegen die Hessen, die als einziges Team der Liga trotz Auswärtspartie mit 4:0-Sieg bei Leverkusen auftrumpften. Die personelle Lage bleibt prekär: Stürmerin Mühlhaus kehrt mit Tor-Euphorie von der Nationalelf zurück, doch die Abwehr um Top-Talent Rieke dieckmann kassierte in den letzten beiden Heimspielen bereits fünf Gegentore.
Die Fans auf der Weser wollen keine Ausreden mehr hören. 3 400 Karten sind bereits weg – sie fordern endlich wieder Leidenschaft statt Leerlauf. Hausicke weiß: „Wir müssen jede Einzelne mehr geben.“ Mehr heißt: Pressing von der ersten Minute, Zweikampfquote jenseits der 55-Prozent-Marke, eine Standardsituation ohne individuelle Fehler. Kleinigkeiten, die Spiele und Saisons retten.

Brüggemann-abgang wirft schatten
Im Klub brodelt es noch an einer zweiten Stelle. Der Weggang von Frauen-Fußball-Pionierin Birte Brüggemann nach 19 Jahren hinterlässt ein Führungsvakuum. Sportliche Leitung, Nachwuchskoordination, Struktur – alles muss neu aufgestellt werden, während die Bundesliga-Mannschaft auf dem Rasen ihr Gesicht wahren soll. Der Zeitplan ist ein Witz: Zwölf Tage liegt die Entscheidung über Brüggemanns Nachfolge zurück, der Nachfolger steht noch nicht fest.
Die Saison droht zu kippen, wenn Werder gegen Frankfurt erneut punktlos bleibt. Dann wäre der Abstand auf Platz acht nur noch drei Zähler – und der Blick nach unten gefährlicher als der nach Europa. Die Bremerinnen haben sieben Spiele Zeit, den Herbst-Mythos wieder aufleben zu lassen. Die Rechnung ist simpel: Sieben Siege, 21 Punkte, alles ist drin. Doch die erste Schlammschlacht steht unmittelbar bevor.
Entweder sie springen am Samstag mit einem Erfolgserlebnis heraus – oder sie versinken bis zur Sommerpause im Mittelmaß. Die Uhr tickt. Die Weser tickt. Und Frankfurt reist an, um an der Grün-Weißen Misere zu basteln.
