Werder bremen verspielt den befreiungsschlag – abstiegskampf wird zum krimi

Werder Bremen hat die große Chance auf einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf vergeben. Mit dem 0:2 gegen Mainz 05 bleibt die Angst an der Weser. Trainer Daniel Thioune spricht von einem „Schritt zurück“ – und das, wo ein Sieg ein Vier-Punkte-Polster gebracht hätte.

Die bremer bleiben in der schusslinie

Die Zahlen sind hart: Werder hat nur eines der letzten sieben Heimspiele gewonnen. Gegen Mainz wirkte die Mannschaft wie gelähmt, die Zweikampfführung fehlte, die Angriffe plätscherten vor sich hin. „Wir haben das Stadion nicht mitbekommen“, sagte Thioune – ein Satz, der in Bremen wie ein Seufzer klingt. Die Fans hatten sich auf den Frühjahrsdurchbruch eingestellt, stattdessen sehen sie ein Team, das den Rhythmus nicht findet.

Leonardo Bittencourt redet vom „Rückschlag, der dazugehört“. Klingt nach Selbsttrost. Doch die Realität ist gnadenlos: Nach der Länderspielpause gastiert Werder beim VfL Wolfsburg, dann kommt RB Leipzig, danach Köln – und dann das Nordderby gegen den HSV. Vier Spiele, die über Liga und Regionalliga entscheiden können. Ohne Jens Stage, der mit Gelb-Rot fehlt, wird die Mittelfeldmaschine ein Zahnrad weniger haben.

Thioune muss jetzt umdenken forcieren

Thioune muss jetzt umdenken forcieren

Der Trainer hatte vor Wochen auf Umstellung gesetzt, wollte aggressiver pressen, schneller umschalten. Gegen Mainz war nichts davon zu sehen. Die Bremer standen tief, spielten zu viele Quer-Pässe, schenkten Mainz Ballgewinne ein. „Wir müssen geduldig bleiben“, sagt Thioune – doch die Zeit läuft. Noch acht Spieltage, dann entscheidet die Relegation möglicherweise das Schicksal.

Die Kabine schwieg nach Abpfiff. Kein Laut, kein Musik, kein Smartphone-Klick. Nur das leise Knistern der Eisbeutel. Werder ist wieder da, wo es 2021 schon einmal war: Im freien Fall. Der Unterschied: Diesmal gibt es keinen Retter wie Frank Baumann, der per Drittliga-Lizenz den Klassenerhalt rettet. Diesmal muss das Team es selbst richten – oder in die zweite Liga abtauchen.

Die Wahrheit ist so schlicht wie schmerzhaft: Werder Bremen muss in den nächsten vier Wochen mindestens sieben Punkte holen, um die Relegation zu vermeiden. Schafft es das Team nicht, droht das fi nancial Desaster: TV-Gelder wegbrechen, Sponsoren springen ab, der Kader wird auseinandergerissen. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.