Werder bremen versackt wieder: mainz entzaubert den aufwärtstrend
0:2 gegen Mainz, Platz 15, wieder nur zwei Punkte Vorsprung auf Relegation: Werder Bremen hat den nächsten Rückschlag kassiert und die alten Abstiegsdämonen wachgeküsst. Die Elf von Daniel Thioune war zwar optisch dominant, aber vor dem Tor so harmlos wie ein Trainingsspiel.
Thiounes wut nach dem spiel: „das zarte pflänzchen ist nicht abgebrochen – aber es ist angeknickt“
Der Coach versuchte, die Wut zu dämpfen, doch die Enttäuschung sprang ihm aus jeder Faser. „Wir haben den Gegner kontrolliert, ohne ihn wehzutun“, sagte er und klang dabei wie ein Lehrer, der gerade wieder die gleiche Fehler-Kette in der Klassenarbeit entdeckt. Zwischen den Strafräumen lief alles nach Plan, danach ging nichts mehr. Keine Lücke, keine Durchschlagskraft, keine Torgefahr.
Die Statistik ist gnadenlos: Kein Treffer aus dem Spiel, xG von 0,8, sieben Schüsse aufs Tor – bei 63 Prozent Ballbesitz. Die Mainzer standen tief, ließen Werder laufen und schlugen zweimal zu. „Das war kopfloses Anrennen“, sagte Thioune und meinte damit nicht nur die ersten 20 Minuten, sondern die ganze zweite Hälfte.

Personell ausgedünnt, geistig leer geworden
Ohne Senne Lynen und Niklas Stark fehlte im Zentrum die Ordnung, ohne Jovan Milosevic im Sturm der finale Punch. Ersatzmann Keke Topp gewann zwar 70 Prozent seiner Zweikämpfe, aber die letzte Passstärke blieb aus. Justin Njinmah und Jens Stage liefen sich fest, letzterer sammelte Gelb Nummer fünf und fehlt nun auch noch gegen Wolfsburg. Sieben Saisontore stehen auf seiner Haben-Seite, am Samstag sitzt er in der Kabine.
Sportchef Clemens Fritz redete von „fehlender Sicherheit im Spiel“, weil ständig gewechselt werden muss. Tatsächlich: Elf verschiedene Startaufstellungen in den letzten zwölf Partien. Stabilität sieht anders aus.

Die großen hunde bellen nicht mehr
Thioune schob die Verantwortung nicht auf die jungen Debütanten Mick Schmetgens und Salim Musah. „Ich hätte mir gewünscht, dass die großen Hunde vorweg marschieren.“ Doch die erfahrenen Leistungsträger blieen zahm. Stage, Groß, Bittencourt – keine zwingende Aktion, keine Führung, keine Reaktion nach dem 0:1.
Die Mainzer dagegen hatten einen Plan, ließen Werder laufen und schlugen in der 36. und 70. Minute zu. Fischer-Teams sind so: unangenehm, effizient, gnadenlos. Nach dem Abpfiff übersprang der FSV die Bremer in der Tabelle, nun stehen sie wieder auf Platz 13 – Werder auf 15.

Restprogramm: jetzt zählt nur noch punkte sammeln
Die Tabelle lügt nicht: 26 Punkte, 26 Spieltage, Torverhältnis 29:45. Die nächsten Gegner: Wolfsburg (A), Leipzig (H), Freiburg (A). Es folgt ein Englische-Woche-Marathon bis Mitte Mai. Werder muss mindestens vier Siege holen, um die 36-Punkte-Marke zu knacken – sonst droht das Relegationsgespenst.
Thioune betonte, dass „das zarte Pflänzchen nicht abgebrochen“ sei. Aber es ist angeknickt, windgeschüttelt und steht im Starkregen. Die Fans sangen bis zur 90. Minute, doch die Stimmen waren heiser vom Schreien. Wenn die großen Hunde nicht bald beißen, wird der Abstieg zum Biss zurückkehren – und diesmal ohne nette Worte auf dem Pressepodium.
