Wendy holdener nimmt christian brill mit – und jagt mikaela shiffrin

Wendy Holdener hat genug vom Experimentieren. Nach dem Slalom-Podest in Åre kristallisiert sich ihr neuer Chefcoach heraus, bevor die Saison überhaupt ausklingt: Christian Brill (49), bisher Co-Trainer, soll die Führung übernehmen. Wer die beiden am Sonntag im Zielbereich beobachtete, spürte, dass die Entscheidung längst gefallen ist – sie wartet nur auf den offiziellen Stempel.

Brill lieferte die probe aufs exempel im schnee

Der Berner Oberländer stellte im zweiten Lauf den Kurs so um, wie Holdener es sich in ihren kühnsten Traumen vorstellt: schnelle Wechsel, keine Falle, dafür Rhythmus, der ihre Stärken auf den Punkt trifft. Ergebnis: Sie klettert von Platz vier auf drei und feiert das zweite Podest dieser Winters. „Ich war sauber in den Spuren und erwischte die Schlüsselstellen gut“, sagte sie, während Brill hinter der Absperrung sichtlich durchatmete.

Die Chemie stimmt. Das war schon während ihrer gemeinsamen Zeit im Fitnessteam spürbar, doch fehlte ihm bislang das letzte Kommando. Nun, wo Holdeners Karriere auf der Zielgeraden liegt, kann sie sich keinen zweiten Klaus-Mayrhofer-Fehltritt leisten. Die Erinnerung an die Desaster-Saison 2020/21 ist intakt – und warnt.

Shiffrin bleibt die messlatte, aber eine zu springen

Shiffrin bleibt die messlatte, aber eine zu springen

Mikaela Shiffrin feierte in Åre den 109. Weltcup-Sieg und dominierte neun von zehn Slaloms dieser Saison. Für Holdener heißt das: Sie muss nicht die Welt erobern, nur noch eine Amerikanerin. Mit Brill an ihrer Seite reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein Detail schiefgeht, auf fast null.

Swiss-Ski wird die Ernennung offiziell machen, sobald das Weltcup-Finale in Saalbach vorüber ist. Dann startet Holdener mit einem stabilen Umfeld in die Vorbereitung auf ihr letztes Karriere-Kapitel. Die Würfel sind gefallen – im Schnee von Åre haben sie sich schon gedreht.