Welt-rugby kriegt ein neues gesicht: zwölf-nationen-turnier wirbelt test-matches durcheinander

Die Rugby-Welt schreibt um. Test-Matches in geraden Jahren? Geschichte. Ab 2026 kämpfen zwölf Top-Nationen im Nations Championship um die Krone – mit Italien mitten im Strudel. Erster Gegner: Japan in Tokio. Letzter Stop: Twickenham. Dazwischen liegen fünf Monate, drei Kontinente und ein K.o.-Modus, der selbst Profis ins Schwitzen bringt.

Die regel ist einfach: nur das andere hemisphäre zählt

Die Sechs-Nationen treffen auf die besten sechs Teams des Südens – aber nur einmal. Punkte gibt es nur gegen den Gegner aus dem fremden Pool. Gewinnt Italien in Tokio, Wales unterliegt in Suva, springt das Quesada-Team in der Tabelle der Nordgruppe vor – ohne je gegen die Waliser gespielt zu haben. Bonuspunkte, Punkte-Differenz, alles entscheidet. Wer sich verzettelt, fliegt im November aus dem Rennen.

Der Zeitplan ist rücksichtslos. Drei Auswärtsspiele in 14 Tagen: 4. Juli Japan, 11. Juli All Blacks in Wellington, 18. Juli Australien in Perth. Die Wallabies warten auf Revanche für die 17-25-Pleite in Udine. Die Kiwis starten mit Dave Rennie neu durch – und werden nach den jüngsten italienischen Siegen keine Beute mehr unterschätzen.

November wird zur schicksalswoche im boot

November wird zur schicksalswoche im boot

Dann rollt der Ball in Europa. 7. November Südafrika in Turin, wo die Azzurri die Weltmeister 2023 schon ärgerten. Eine Woche später Argentinien, das zuletzt in Udine abräumte. Am 21. November kommen die Fidschi-Krieger – erstmals seit 2017. Drei Heimspiele, drei Endspiele. Wer hier strauchelt, fliegt in Twickenham gegen den Sechsten der Südgruppe. Wer punkte, träumt vom Finale am 29. November.

Twickenham wird zur Schaltzentrale. Alle zwölf Teams reisen nach London, am letzten Novemberwochenende gibt es Platzierungs-Spiele en bloc. Die Gruppensieger bestreiten das Finale, die Zweiten spielen um Bronze, die Dritten um Rang fünf – bis jeder seine endgültige Position kennt. Keine Abstiegs-Relegation diesmal, dafür jede Menge Preisgeld und World-Ranking-Punkte.

Die Formel ist ein Hybrid aus Liga und K.o.-System. Kein klassisches Heim- und Auswärtssystem, dafür maximale Spannung. Die Punktevergabe bleibt klassisch: vier für einen Sieg, zwei für ein Unentschieden, ein Bonus fürs vierte Try, einer für die Niederlage mit maximal sieben Punkten Abstand. Die Differenz kann am Ende entscheiden – besonders, wenn zwei Süd-Teams alle Europäer schubsen.

Wer zögert, verliert – und verliert schnell

Wer zögert, verliert – und verliert schnell

Für Italien ist das mehr als ein Turnier. Es ist ein Gradmesser nach dem aufsteigenden Sei-Nationen-Sixth-Place. Quesada muss seine jungen Kräfte wie Manfredi Albanese und Ross Vintcent in Topform halten, gleichzeitig die Erfahrung von Michele Lamaro und Sebastian Negri einsetzen. Die erste July-Tour ist eine Belastungsprobe, die November-Serie ein Business-Trip mit Ziel Twickenham.

Die Fans bekommen das, was sie seit Jahren fordern: Endlich treffen die besten Nord-Teams auf alle Süd-Giganten in einem Wettbewerb mit klarem Ziel. Keine Test-Matches ohne Struktur, keine Sommertouren nur zum Training. Die Rugby-Welt wird kleiner – und härter. Und Italien steht vor der Chance, sich endgültig aus der Riege der Außenseiter zu verabschieden.

4. Juli in Tokio tickt die erste Uhr. Wer dann schläft, wacht in Twickenham ohne Finale auf. Die Devise lautet: Sieg oder Flug – und der Flieger Richtung London startet nur mit vollen Punktekonten.