Weltnährungstag: die stillen killer salz, zucker, alkohol
Heute, am Weltnährungstag, lautet der Befund der Experten so nüchtern wie bitter: Übergewicht und Essstörungen rasen durch unsere Gesellschaft. Zwei Todesursachen, die wir täglich auf dem Teller servieren – und trotzdem wegschauen.
Der kampf beginnt im regal
Drei Stück Obst, zwei Handvoll Gemüse – das klingt nach Kindergarten, ist aber die einfachste Schutzmauer gegen chronische Krankheiten. Dr. med. Lisa Hövelmann, Leiterin der Ernährungsabteilung am Universitätsklinikum Münster, hält die Zahlen hoch: „Jede zweite Erwachsene in Deutschland wiegt zu viel, jeder fünfte Jugendliche zeigt erste Anzeichen einer Essstörung.“ Die Lösung? Nicht Diätwahn, sondern Struktur. Olivenöl statt Butter. Linsen, Makrele, Mandeln – keine Trendprodukte, sondern altbewährte Kraftpakete. Und vor allem: Weg vom Weißmehl. Hafer, Quinoa, Kichererbsen halten den Blutzucker stabil und den Darm fit.
Doch der eigentliche Gegner schlummert versteckt. Ein Teelöffel Salz täglich – mehr braucht der Körper nicht. Den Rest stopfen wir über Fertigprodukte hinein. Zucker? In scheinbar harmloser Joghurtbecher-Portion stecken bis zu fünf Stück Würfelzucker. Alkohol wird gern als Kultur geadelt, ignoriert aber, dass schon ein Glas Wein die Fettverbrennung für Stunden lahmlegt.

Durst ist die vergessene superkraft
60 Prozent unseres Körpers bestehen aus Wasser, trotzdem quälen sich 75 Prozent der Deutschen chronisch dehydriert. Das Ergebnis: Kopfschmerzen, Konzentrationslücken, Muskelkrämpfe. Ein Marathonläufer wäre nach drei Kilometrern am Boden – wir sitzen bloß im Büro. Zwei Liter sind das Minimum, bei Sport schnell die doppelte Menge. Wasser ist Schmiere für Gelenke, Kühlanlage für Muskeln und Postbote für Nährstoffe. Wer vergisst zu trinken, sabotiert seine eigene Leistung.
Die Industrie bietet Ersatz: isotonische Sportgetränke in knalligen Farben. Quatsch, sagt Hövelmann. „Leitungswasser plus eine Prise Salz und ein Spritzer Zitrone – fertig ist das beste Regenerationsmittel.“ Und der Preis? Cent-Beträge statt Euro-Summen.
Am Ende bleibt eine nüchterne Wahrheit: Die nächste Mahlzeit ist eine Abstimmung darüber, wie wir leben wollen – krank und müde oder kraftvoll und scharfsinnig. Die Stimme liegt auf unserem Teller. Keine App, kein Coach kann sie für uns abgeben.
