Wehen wiesbaden verspielt sieben-serie: elfmeter-blitz und platzverweis reichen nicht
Die sieben Siege waren ein Fluch. Nach 74 Minuten Überzahl gegen zehn Rostocker schauten 11 000 im Brita-Arena nur noch verdattert. Die Heimserie ist Geschichte, der Traum vom Aufstieg bekommt einen Riss.
Frust statt jubel: hübner-foul bringt alles ins rutschen
Florian Hübner grätschte in der 4. Minute zu spät. Der Pfiff war noch nicht verklungen, da lag der Ball schon im Netz. Kenan Fatkic ließ sich die Einladung nicht zweimal sagen – 0:1. Was danach folgte, war ein Monolog vor leeren Stühlen. Wiesbaden drückte, Rostock verbarrikadierte sich hinter dem frühen Geschenk.
Die Statistik lügt nicht: 68 Prozent Ballbesitz, 17:6 Torschüsse, 9:2 Eckstöße. Doch Zahlen sind nichts, wenn das Leder nicht zappelt. Lukas Schleimer bekam die 94. Minute serviert – leeres Tor, sieben Meter, Köpfchen runter. Der Abschluss landete im Werbebanner. Die Kurve verstummte, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Carstens sieht rot – und wiesbaden kriegt die krise
Florian Carstens, einst selbst in Wiesbaden beheimatet, half mit einem Grätschen nach. Gelb-Rot, Platzverweis, Applaus aus dem Block, den er einmal als Held verließ. Die Überzahl hätte ein Turbo sein müssen, wurde aber zur Falle. Je mehr Menschen vor dem Strafraum standen, desto weniger Lücken blieben. Rostock zog die Seitenlinie zu, Wiesbaden lief sich fest.
Trainer Nils Neuhaus war nach Abpfiff sichtlich mitgenommen: „Wir haben alles reingeworfen außer den Ball.“ Die Worte klangen wie ein Nachruf auf eine Saison, die eben noch wie ein Selbstläufer aussah. Mit 48 Punkten bleibt Wiesbaden Dritter, der Abstand zu Rostock schrumpft auf zwei Zähler. Die direkte Konkurrenz atmet auf.
Die Nacht bringt keine Erleichterung. Am Freitag gastiert der FC Ingolstadt – ein Gegner, der weiß, wie man in der Brita-Arena Punkte klaut. Wer nicht trifft, träumt nur noch. Die Serie ist gerissen, die Frage nach der Mentalität steht. In Wiesbaden spricht man wieder vom „engen Kader“ und „kleinen Verein“. Das klingt nach Alibi, nicht nach Aufstieg.
