Wagner übernimmt köln: „ich bin kein retter, ich bin arbeiter“

Zweiter Tag, erste Bruchlandung. René Wagner steht im Geißbockheim vor der Presse, die Kaffeemaschine surrt wie ein Startmotor, und er sagt den Satz, der alles andere als Klon-Sprüche ist: „Es ist logischerweise sehr ungewohnt.“ Kein Pathos, kein Programm, nur ehrlicher Unbehagen. Der 37-Jährige hat den Job seines Chefs über Nacht geerbt – und wirft sofort den Selbstschutzmodus an.

Der co, der jetzt allein fliegt

2021 bis 2024 saß Wagner rechts von Steffen Baumgart, notierte dessen Tiraden, kannte die Macken der Stars. Jetzt ist er der, der die Taktiktafel schwenkt. Seine Übung am Dienstag: Ein Kleinfeldspiel, das in Gelächter ausläuft, weil Modeste versehentlich den Ball in Wagner-Kaffe kocht. Sekunden später brüllt Wagner: „Hinten raus, sofort!“ Die Stimmung kippt, die Gruppe spürt: Der Neue trägt keine Handschuhe mehr.

Der Blick richtet sich auf Frankfurt, den 5. April, 17.30 Uhr. Dort will er den Karren aus dem Dreck ziehen, obwohl er selbst noch nach dem Lenkrad tastet. „Wir haben an den Wochenenden meist funktioniert“, sagt er und streicht das 0:2 in Augsburg wie einen Fleck vom weißen Hemd. Kleine Stellschrauben, große Wirkung – so lautet die Devise. Doch was ist die Bremse, wenn die Maschine trudelt?

Reutershahn hält die hand auf dem knüppel

Reutershahn hält die hand auf dem knüppel

Antwort: Armin Reutershahn, 66, Bundesliga-Urgestein, Co seit Montag. „Er hat die Bremse in der Hand“, sagt Wagner und meint damit nicht nur die Trainingspfeife. Reutershahn soll den Jüngeren bremsen, wenn der Adrenalin-Kick droht, die Linie zu überziehen. Eine Mentor-Notbremse auf Zeit.

Internes Testspiel am Mittwoch, Schiri-Team dabei, U-19-Kicker als Kanonenfutter. Alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit – damit kein Satz nach draußen segelt, der später wie ein Bumerang zurückkommt. Wagner will Ruhe, will „organisiert“ arbeiten, will sich nicht mit der Frage quälen, ob dies seine große Chance ist. „Es macht mich stolz, aber darum geht es jetzt gar nicht“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der weiß, dass Stolz in der Bundesliga nur eine Halbzeit dauert.

Die Pressekonferenz endet, die Mikros klappern ab. Wagner bleibt noch einen Moment sitzen, starrt auf die leere Taktiktafel. Kein Retter, kein Revolutionär – nur ein Arbeiter, der am Sonntag in Frankfurt beweisen muss, dass die kleinen Schrauben reichen, um ein ganzes System zu retten. Die Uhr tickt. 72 Stunden bis zum Abflug. Keine Zeit für Romantik.