Waffenstillstand im nahen osten drückt öl- und gaspreise nach unten
Ein einziger Tweet von Donald Trump um ein Uhr nachts, und die Energiemärkte purzeln. Nach der Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und Iran rutschten Brent und WTI binnen Stunden unter die 100-Dollar-Marke – Tendenz weiter fallend.
Die hormuz-karte
Der Clou des Deals: Teheran öffnet die Straße von Hormuz wieder für Vollverkehr. Dort passieren täglich 20 Prozent des weltweiten Öls sowie massenhaft Flüssiggas-Tanker – seit Wochen war der Durchsatz um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Die bloße Andeutung, die Schleuse könne wieder auf, ließ den europäischen Gaspreis (TTF) um 15 Prozent einbrechen, auf 45 Euro je Megawattstunde.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: WTI notierte am frühen Abend bei 96 Dollar (-15 %), Brent bei 95 Dollar (-13 %). Für Händler ist das ein Seufzer der Erleichterung, nachdem sie jüngst mit Horrorszenarien von 150 Dollar jonglierten.

Rauchzeichen über beirut
Doch der Rutsch hat Risse. Israels Luftschläge im Libanon haben die iranische Revolutionsgarde schon wieder aufgebracht. In Diplomatenkreisen ist von „zwei Wochen Atempause, nicht mehr“ die Rede. Sollte die Tregua platzen, dürfte die Kehrtwende brutal ausfallen – Analysten warnen dann umgehend vor einem 20-Dollar-Sprung innerhalb von 24 Stunden.
Für Europas Industrie kommt die Entspannung gerade recht. Gas-Kosten für die Herstellung von Stahl, Dünger oder Aluminium halbierten sich innerhalb einer Woche, Margen kehren in die schwarzen Zahlen zurück. Kurz: Wer jetzt nicht hedge, spielt Roulette.
Die nächsten Tage entscheiden, ob der Preissturz ein Aprilgag bleibt oder die Energie-Rechnung des Kontinents dauerhaft sinkt. Die Wetterfahne steht auf Sturm – und sie dreht sich mit jedem Grollen aus Tel Aviv oder Teheran weiter.
