Wada-ermittlung: keine beweise für manipulation im spanischen anti-doping!

Ein Erdbeben erschütterte den spanischen Sport: Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat ihre umfassende Untersuchung der spanischen Anti-Doping-Kommission (CELAD) abgeschlossen – und kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass keine systematische Manipulation von Verfahren oder ein vorsätzlicher Schutz von Elite-Athleten vorliegt. Die sogenannte „Operation Urraca“ räumt damit mit den schwerwiegenden Vorwürfen auf, die in den letzten Monaten für großes Aufsehen gesorgt hatten.

Die vorwürfe im detail: ein sturm im wasserglas?

Die vorwürfe im detail: ein sturm im wasserglas?

Die Anschuldigungen, die im Januar 2024 durch eine Reihe von journalistischen Artikeln laut wurden, waren brisant: CELAD soll Athleten, die positiv auf Doping getestet hatten, geschützt haben, angeblich in Zusammenarbeit mit der WADA selbst. Es wurde behauptet, die spanische Behörde habe mindestens 38 Fälle manipuliert, um Strafen zu verhindern. Im Fokus standen insbesondere die umstrittene Vergabe von therapeutischen Ausnahmebewilligungen (TUE) rückwirkend sowie die vermeintliche missbräuchliche Nutzung einer internen Checkliste, um ungünstige Testergebnisse zu kippen.

Die WADA reagierte prompt und startete die „Operation Urraca“, die von Experten für Ergebnismanagement, Wissenschaft und Medizin unterstützt wurde. Hunderte Dokumente wurden analysiert, zehn Mitarbeiter – darunter sieben aktive und drei ehemalige CELAD-Funktionäre sowie ein Mitarbeiter von PWC – befragt und Daten mit dem Anti-Doping-System ADAMS abgeglichen. Die Untersuchung konzentrierte sich auf vier Hauptvorwürfe: Manipulation von Dopingfällen, fehlende Unabhängigkeit des spanischen TUE-Komitees, der Einsatz unqualifizierter Dopingkontrolleure und die fehlerhafte Bearbeitung von fehlgeschlagenen Kontrollen.

Das überraschende Ergebnis: Die WADA fand keinerlei Beweise dafür, dass der ehemalige Verantwortliche der Kontrollabteilung CELAD Prozesse manipuliert hat. Die in Frage gestellten TUEs wurden größtenteils Jahre vor den ungünstigen Testergebnissen erteilt, vom spanischen TUE-Komitee überprüft und sogar von der WADA inspiziert, ohne dass Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Die WADA kritisiert die Medien für eine unzureichende technische Kenntnis des Welt-Anti-Doping-Kodex und den Verstoß gegen die Vertraulichkeit medizinischer Daten.

Auch der Vorwurf, das spanische TUE-Komitee habe lediglich als reiner Verwaltungsakt fungiert, konnte nicht bestätigt werden. Die ADAMS-Protokolle zeigen, dass seit März 2016 bei jeder TUE-Überprüfung mindestens ein Mitglied des Komitees beteiligt war, in drei Vierteln der Fälle sogar drei oder mehr aktive Mitglieder. Ein möglicher Interessenkonflikt eines Komiteemitglieds, das mit einem nationalen Sportverband verbunden war, wurde ebenfalls ausgeschlossen, da die Person ihre Zugehörigkeit korrekt angegeben und sich bei entsprechenden Abstimmungen zurückgezogen hatte.

Ein weiterer Punkt der Untersuchung betraf die Akkreditierung von Dopingkontrolleuren. Hier wurden drei Fälle aufgedeckt, in denen die Zertifikate gefälscht waren, jedoch handelte es sich um einen administrativen Fehler, den CELAD selbst erkannt und behoben hatte. Der vermeintliche unakreditierte Kontrolleur bei den Olympischen Spielen in Paris stellte sich als der Arzt des spanischen Olympia-Teams heraus, der in dieser Funktion anwesend war.

In fünf Fällen akzeptierte CELAD zwar die Entschuldigungen der Athleten ohne ausreichende Beweise, und in zehn Fällen gab es Mängel in der Verwaltung fehlgeschlagener Versuche, die in zwei Fällen zu Strafen hätten führen können, wenn sie korrekt bearbeitet worden wären. Die WADA betont jedoch, dass dies keine vorsätzliche Manipulation darstellt, sondern auf eine mangelhafte Verwaltung zurückzuführen ist.

Die WADA weist zudem auf ein strukturelles Problem hin: Die vorherige spanische Gesetzgebung, der Real Decreto 641/2009, enthielt Anforderungen, die mit dem Welt-Anti-Doping-Kodex unvereinbar waren. Der Real Decreto 792/2023 hat einige dieser Inkonsistenzen behoben, aber es bestehen weiterhin Unstimmigkeiten, insbesondere die fehlende Anerkennung des biologischen Passports des Athleten als ausreichenden Beweis für Doping.

Die „Operation Urraca“ schließt ein Kapitel, das den spanischen Anti-Doping-Bereich erschüttert hat. Sie entlastet Spanien von dem schwerwiegendsten Vorwurf des Vertuschungsdopings, fordert aber gleichzeitig eine deutliche Verbesserung der Verfahrensabläufe und der Schulung der Kontrolleure. Die Wahrheit ist ausgesprochen: Es gab Fehler, aber keine systematische Vertuschung.