Vsg altglienicke feuert parlatan nach fünf spielen ohne sieg
Die VSG Altglienicke hat genug gesehen. Nach nur 248 Tagen auf der Trainerbank flog Ersan Parlatan am Dienstag raus – mitsamt seinem Co Ercan Aydinoglu. Die Niederlage gegen BFC Dynamo am Sonntag war die vierte in Serie, der Klub rutschte auf Platz zwölf ab, die Aufstiegspläne wirken wie ein schlechter Witz.
Parlatan ging lehrgeld, altglienicke zahlte den preis
Der 48-Jährige kam im Sommer mit großen Tönen: „Wir wollen oben mitspielen.“ Gesagt, getan – zwei Monate lang. Dann platzte die Seifenblase: seit Jahreswechsel holte die Mannschaft nur zwei Punkte aus fünf Spielen, kassierte neun Gegentore in den letzten 180 Minuten. Torsten Mattuschka, sportlicher Leiter und einstige Union-Ikone, redet sich in der Pressemitteilung um Kopf und Kragen: „Hohe fachliche Qualität“ sei da gewesen, bloß „die Vorstellungen in zentralen Fragen“ gingen auseinander. Was das heißt? Keine offizielle Erklärung. Intern kursiert: Parlatan wollle das Mittelfeld umstellen, die Vereinsspitze verlangte aber, junge Berliner Legionäre zu bringen – ein Machtkampf, den der Trainer verlor.
Die Fans reagierten erbost. Auf Twitter kursiert das Hashtag #ParlatanRaus – gegründet von denselben Ultras, die ihn im August noch als „Messias“ feierten. Die Kurve wird am Sonntag gegen Lichtenberg vermutlich schweigen, die Spieler schon mal nicht. Kapitän Toni Lindenhahn ließ nach der 0:2-Pleite durchblicken: „Wir wissen selbst nicht mehr, was Sache ist.“

Twardzik bekommt zweite chance – diesmal mit echten druck
Die Lösung heißt Dan Twardzik, 34, früherer Schlussmann, seit fünf Jahren im Klub. Bereits im Oktober 2025 übernahm er nach Keskins Rauswurf das Kommando, holte sieben Punkte aus drei Spielen und durfte dann wieder zurück zur Reserve. Diesmal bekommt er Verstärkung von Björn Brunnemann, einst Bundesliga-Profi beim FC St. Pauli. „Wir vertrauen ihm blind“, sagt Mattuschka, doch intern heißt es: eine Niederlage gegen Aufsteiger Cottbus am Wochenende und auch Twardzik ist weg. Die Saison hat noch neun Spiele, der Rückstand auf Platz drei – den letzten Aufstiegsplatz – beträgt fünf Punkte. Die Statistik spricht gegen Altglienicke: keins der letzten fünf Regionalliga-Teams, das nach dem 20. Spieltag den Coach feuerte, stieg noch auf.
Parlatan selbst meldete sich nur indirekt: auf Instagram postete er ein Foto leerer Stühle in der Kabine – dazu das Zitat von Johan Cruyff: „Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten, und alles andere ist Theorie.“ Theorie hin, Praxis her: Altglienicke zahlt ihm das Gehalt bis Juli 2027 weiter, weil kein Aufstiegsklausel verankert war. Für den Verein eine teure Lektion, für ihn ein Sabbatical auf Kosten des ambitionierten Klubs, der sich selbst als „Berliner Traditionsverein neu erfinden“ wollte. Jetzt muss er sich neu erfinden – ohne ihn.
