Vor 40 jahren schoss klinsmann fünf tore in fremder arena – und keiner konnte ihm folgen

4. März 1986, Rheinstadion Düsseldorf: 12.000 Zuschauer, braune Rasenreste, null Tore für die Heimmannschaft – und ein 21-Jähriger, der in 42 Minuten die Bundesliga-Geschichte umschreibt. Jürgen Klinsmann traf fünfmal für den VfB Stuttgart, auswärts, unerreicht bis heute.

Die Zahlen sind schon verrückt genug: 0:7-Endstand, bis dahin höchste Heimniederlage der Fortuna. Doch die wirkliche Sensation steckt im Detail. Kein Profi vor ihm, keiner danach schaffte die Fünferpackung in fremder Arena. Lewandowski? Im heimischen Stadion. Dieter Müller? Auch daheim, sogar seine sechs Treffer. Klinsmann blieb allein.

Der tag, an dem der ball nur noch nach vorne rollte

36. Minute: Ausgleich per Rechtsfuß. 43.: Führung per Linksschuss. 58., 64., 78.: Hattrick komplett, ein Kopfball, ein Flachschuss, ein Volley. Dazwischen lief nichts mehr zusammen bei Fortuna-Verteidiger Günter Kuczinski. Trainer Dieter Brei wechselte nach dem dritten Gegentor – vergeblich. Michael Bunte kam, Bunte verlor jeden Zweikampf.

Was die Reporter damals faszinierte: die Mischung aus Kaltschnäuzigkeit und Leichtigkeit. „Ging ganz locker“, sagte Klinsmann später ins ZDF-Mikro, als hätte er gerade nur die Bahnhofshalle durchquert. Die Bilder gingen um die Welt: Jung-Siegfried mit fliegendem Ponytail, das Trikot bereits im Publikum, die Narbe im Rasen markiert den Punkt, wo das fünfte Tor einschlug.

Warum der rekord heute noch brennt

Warum der rekord heute noch brennt

40 Jahre später jagt jeder Stürmer die perfekte Auswärtsperformance, doch selbst Haaland, Mbappé & Co. bleiben unter der Marke. Die Logik des Profifußballs hat sich verschoben: Auswärtssiege sind planbarer geworden, Einzelleistungen dafür austauschbarer. Klinsmanns Fünferpack aber war das Produkt eines launischen Winters, einer verunsicherten Abwehr und eines Tages, an dem ein Talent die Grenzen seiner Zeit sprengte.

Die Folgen für den VfB waren konkret: Der Klub raste in den UEFA-Cup, schaffte sogar das Pokalfinale. Für Klinsmann begann die Reise nach Italien, London, Monaco – und zurück als Nationaltrainer. Der Rekord blieb, ein Ehrenplatz in der Statistik, den er heute selbst kommentiert: „Irgendwie schön, dass ihn keiner mehr kaputtmacht.“

Am Rhein herrscht inzwischen grüner Rasen, die Fortuna spielt in der 2. Liga. Doch wenn die Kamera über die leeren Reihen schweift, sieht man sie noch: die Löcher, wo einst die Bahnen des Blondschopfs den Platz zerlegten. Kein neues Tor, keine neue Saison – nur die Gewissheit, dass ein Spieler und ein Tag reichen, um für vier Jahrzehnte unantastbar zu bleiben.