Vor 20 jahren starb massimo della pergola – der mann, der dem fußball das 1-x-2 schenkte

Ein jüdischer Reporter flüchtet vor den Rassengesetzen, schläft auf Strohsäcken im Schweizer Lager Pont de la Monge – und erfindet nebenbei die Wette, die Italien verrückt machen wird. Massimo Della Pergola notierte 1943 in Gefangenschaft die ersten Tips auf Zeitungspapier. Drei Jahre später wurde daraus der Totocalcio, heute 80 Jahre alt und immer noch Milliarden schwer.

Matrize 21915 und die geburt von sisal

Die Nummer stand auf seinem Holzschild. 21915 – so nannten die Schweizer Wächter den Triestiner, dessen Namen sie nicht aussprechen konnten. In der Barackenküche bastelte er an einer Tabelle mit 13 Kästchen, weil „1-2-3 nach Kinderrechnen klang und A-B-C wie Schulfranzösisch“. 1-X-2 war sexy, klang wie ein Geheimcode.

1946 gründete er mit Fabio Jegher und Geo Nolo die Sport Italia Società A responsabilità Limitata – kurz Sisal. Der Coni gab ihm das Monopol für „Pronostici calcistici“, und binnen einer Saison füllten Italiener 25 Millionen Scheine. Die Kasse klingelte, die Liga profitierte, die Barrikaden gegen den Sonntagskick bröckelten. Della Pergola hatte aus dem Elend ein Geschäft gemacht, das sich selbst ernährte.

Wie ein lied die wette erfand

Wie ein lied die wette erfand

Kein Radio, kein Fernsehen – nur die Stimme von Carlo D’Angelo am Sonntagnachmittag. Die Transistoren brummten, und halb Italien sang „Fa’ la tua giocata, che la vita è un’altra partita“. Der Refrain stammte von Della Pergolas Freund Gorni Kramer, der die Wette in ein Schlager verwandelte. Plötzlich war Wetten nicht mehr Sünde, sondern Volkssport. Die Domenica blieb heilig – nur mit erhobenem Fünfziger-Lire-Schein.

Heute, zwei Jahrzehnte nach seinem Tod, erinnert sich kaum noch jemand an den kleinen Mann mit der Hornbrille. Aber seine Erfindergeist spukt in jeder Smartphone-App, in jedem Live-Ticker, in jeder Quote. 1-X-2 ist längst global, doch der Kniff stammt aus einem Internierungslager. Manchmal reicht ein Stück Papier, um eine ganze Kultur umzukrempeln.