Von olympia zu paralympics: kathrin marchand schreibt geschichte auf skiern
Kathrin Marchand ist schon zweimal bei Olympia gerudert. Dann kam der Schlaganfall. Jetzt, 14 Jahre nach ihrer ersten Qualifikation, jagt sie auf Langlaufskiern durch italienische Loipen und wird zur ersten Athletin, die jemals an Olympischen und Paralympischen Sommer- und Winterspielen startet.

Die 35-jährige schafft das, was keine andere vor ihr konnte
Am Dienstag geht es los. Klassischer Sprint. Kurze Hose, kurze Arme. Die Kölnerin hat ihren Anzug kürzen lassen, weil es in Italien zu warm ist. Die Konkurrentinnen tragen lang, sie trägt knielang. Die Bilder werden um die Welt gehen.
Die Geschichte beginnt 2012 in London. Dann 2016 in Rio. Marchand sitzt im Boot, zieht durchs Wasser, wird Fünfte, Vierte, verpasst das Podest. Sie beendet ihre Karriere, studiert Medizin, wird Ärztin. Der Plan steht.
2021 trifft es sie. Schlaganfall. Linkes Bein, linkes Arm, Sehfeld. Ein Drittel weg. Multitasking? Vergessen. Orientierung? Glücksspiel. Die damals 30-Jährige denkt nicht an Sport. Sie denkt an Überleben.
Doch das Fernsehen läuft. Paralympics 2023. Marchand sieht Ruderer mit Prothese, mit Halbseitenlähmung. „Ich kann auch“, denkt sie. Sie steigt wieder ins Boot. Mixed-Vierer. Bronze um 0,34 Sekunden verpasst. Frust. Aber auch: Adrenalin zurück.
Dann das Angebot: Langlauf, Paralympics 2026. Sie lacht. „Ich kann doch kaum laufen.“ Die Antwort: „Du kannst Ausdauer.“ Marchand probiert es. Schneelauf statt Wasser. Die Klassifizierung klappt. Einschränkung reicht. Der Bundestrainer schaut zu, schüttelt den Kopf. „Sie ist sehr zielgerichtet“, sagt Ralf Rombach. „Vergangenheit hilft.“
14 Monate später steht sie im Weltcup. Fünfter, Vierter, Zweiter. Qualifikation geschafft. Sie kündigt die Festanstellung, arbeitet nur noch auf Honorar. Rente kommt dazu. „Mehr Zeit im Schnee“, sagt sie. „Mehr Zeit für Geschichte.“
Am Mittwoch folgt die 10 km. Klassisch, weil es koordinativ einfacher ist. Skating? „Da fahre ich hinterher.“ Biathlon? „Noch nicht.“ Aber sie schielt aufs Gewehr. „Vielleicht nach den Spielen.“
Marchand will keine Medaille versprechen. „Viele müssen zusammenpassen.“ Aber sie will zeigen: „Wenn man will und träumt, geht viel.“ Die Zahl, die bleibt: 14 Jahre zwischen erster Olympia-Quali und erster Paralympics-Quali. Keine andere Frau war je in allen vier Spielen. Marchand wird es sein. Und dann? „Erst mal Geschichte schreiben.“
