Voigtmanns fall: pesic räumt mit erfolgen auf?

München – Johannes Voigtmann, einst gefeierter Held des FC Bayern München, scheint aktuell in der Schattenzone zu verschwinden. Nur knapp zehn Monate sind vergangen, seit er die Bayern mit zwei entscheidenden Dreiern zum Meistertitel schoss, doch unter dem neuen Coach Svetislav Pesic sieht sich der erfahrene Center einer überraschenden Marginalisierung ausgesetzt. Die Frage, die sich nun stellt: Ist der frühere Leistungsträger tatsächlich so schnell vergessen?

Ein vertrauensverhältnis zerbricht

Die Beziehung zwischen Voigtmann und dem ehemaligen Bundestrainer Gordon Herbert war geprägt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Über Jahre hinweg wuchs die Zusammenarbeit zwischen den beiden, sowohl in Frankfurt als auch im Nationalteam. Doch mit dem Wechsel von Herbert zu Pesic haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Voigtmann, einst ein wichtiger Bestandteil des Teams, findet sich nun in einer völlig anderen Rolle wieder.

Die Beispiele in den letzten Spielen sind alarmierend. Nach einem frühen Fehler im Spiel gegen Chemnitz wurde Voigtmann früh ausgewechselt. Gegen Ludwigsburg kam er erst nach fast vier Minuten eingesetzt, als die Bayern bereits mit einem deutlichen Polster von 26 Punkten führten. Pesic scheint nicht mehr an dem 33-Jährigen zu glauben, und das trotz seiner nachweislichen Erfolge in der Vergangenheit. Wie der Coach selbst in einem Interview betonte: „Im Sport existiert keine Vergangenheit – weder für ihn noch für mich.“ Eine Aussage, die für Voigtmann schmerzlich zu verkraften sein dürfte.

Fitness oder taktische entscheidung?

Fitness oder taktische entscheidung?

Auch Stefan Jovic, ein weiterer Spieler unter Pesics Kommando, steht derzeit vor ähnlichen Problemen und fehlt dem Kader seit Wochen. Mangelnde Fitness wird als möglicher Grund genannt, doch bei Voigtmann scheint dies eher unwahrscheinlich. Nach dem EuroLeague-Spiel gegen ASVEL Mitte März erklärte Pesic die Situation erst nach dreimaligem Nachfragen – ein Indiz dafür, dass die Entscheidung möglicherweise tieferliegende Gründe hat.

Die Wahrheit ist, dass Voigtmann nicht optimal in Pesics taktisches System passt, das eine defensivere Ausrichtung und mobile Big Men bevorzugt, die Guards unter Druck setzen und schnell wieder in Position kommen. Das war nie Voigtmanns Stärke, insbesondere nicht im höheren Alter. Seine defensiven Schwächen, vor allem im Pick’n’Roll, werden nun bei jeder Gelegenheit ausgenutzt. Seine Statistiken in der BBL spiegeln diese Situation wider: 14 Einsätze, durchschnittlich 11,5 Minuten, 3,4 Punkte und 3,4 Rebounds.

Ob sich die Situation noch ändern wird, bleibt abzuwarten. Pesic wird im Sommer seinen Posten verlassen, und ein neuer Coach könnte andere Pläne haben. Voigtmann hat noch einen Vertrag bis 2027, und die Bayern werden weiterhin Spieler mit deutschem Pass benötigen. Doch bis dahin muss er sich gedulden und hoffen, dass die neue Führung ihn wieder in die Pflicht nimmt. Er ist ein Mann des Lebens, wie einst Trainer Spoelstra über Pesic sagte – eine Eigenschaft, die Voigtmann nun bitter nötig haben könnte.