Voigt wirft nach der saison das handtuch – bremer sv verliert seinen architekten
Ralf Voigt hat genug. Nach 37 Spieltagen Dauereinsatz, nach einem Abstiegskampf, der keiner wurde, nach einem achten Tabellenplatz, den niemand vorhergesagt hatte, zieht sich der 60-Jährige als Trainer des Bremer SV zurück. „Ich bin 24 Stunden am Tag Fußball, das nagt an der Substanz“, sagt er knapp. Die Entscheidung steht.
Der preis der überraschung
Vor der Saison galt der BSV als klarer Abstiegskandidat. Die Finanzlücke klaffte so weit, dass ein freiwilliger Rückzug aus der Regionalliga Nord im Raum stand. Dann sprang Voigt ein, übernahm neben seinem Job als sportlicher Leiter auch das Traineramt, nachdem Sebastian Kmiec den Verein verlassen hatte. Das Ergebnis: 52 Punkte, nur vier Niederlagen seit Oktober, eine Mannschaft, die plötzlich mitspielt statt mitzittert.
Doch der Erfolg hat einen Namen: Ausbruch. Voigt bestätigt gegenüber buten un binnen, dass er „zu 99 Prozent“ aufhören wird. Gespräche mit potenziellen Nachfolgern laufen bereits. Einzig eine neue Notlage könnte ihn wieder auf die Bank lotsen – „den BSV werde ich niemals im Stich lassen“, betont er. Als sportlicher Leiter bleibt er jedoch im Amt, dort will er weiterhin die Strippen ziehen.

Die suche nach dem nächsten puzzle-teil
Die Herausforderung für den Verein: Wer übernimmt eine Mannschaft, die sich selbst übertroffen hat? Wer bindet Spieler, die gerade erst gelernt haben, dass Aufstiegsplätze möglich sind? Und wer verkraftet den Druck, den Voigt hinterlässt – einen Architekten, der aus Trümmern eine Festung baute und sich nun zurückzieht, weil das Bauholz zu sehr splintert.
Die Antwort wird den Sommer bestimmen. Voigt selbst wird dann auf der Tribüne sitzen, statt an der Seitenlinie schreien. Die 24 Stunden Fußball sind vorbei – zumindest auf dem Platz. Im Kopf bleibt er wohl für immer der Coach, der aus dem Abstiegskandidaten das Überraschungsteam der Saison machte. Und der beweist: Manchmal gewinnt man, indem man aufhört.
