Voigt jagt im schneematsch von oslo auf platz sechs
Vanessa Voigt schoss sich in Oslo in einen Rausch. Vier Mal legte sie an, vier Mal klapperten die Scheiben – und plötzlich war die 27-Jährige die schnellste Deutsche im Ziel. Rang sechs, nur 44 Sekunden hinter der Siegerin, das ist in dieser Saison Spitze.
Weiße hölle, kalte nerven
Die Loipe am Holmenkollen glich nach Schneefall einer Schlammschlacht. Wer hier Bodenkontakt suchte, versank. Voigt ging anders vor: Sie flog. „Ich habe mir gesagt: Einfach abheben, nicht durchdrücken“, lachte sie im ZDF. Die Technik funktionierte. Mit 18,5 km/h Durchschnittstemposchub jagte sie durch die Spur, nahm Tandrevold und Jeanmonnot die Stiefel vor der Nase weg.
Am Schießstand herrschte hingegen Sibiristimmung. Minus drei Grad, Pulsschlag auf 180 – und trotzdem kein Zittern. Null Fehler, das hatte zuletzt 2021 eine deutsche Athletin geschafft. „Ich wusste, dass die Form kommt, aber dass sie so knallt, war selbst für mich ein kleiner Schock“, sagte Voigt. Ihre Arme noch dampfend, klopfte ihr Coach am Ausgang des Stands aufmunternd auf den Rücken. Der Jubel war ihr anzusehen: endlich wieder oben mitreden.

Laegreids schnee-mythos und voigts antwort
Norwegens Sturla Holm Laegreid hatte vorher geheimniskrämerisch erklärt, tiefer Pulverschnee sei „sein Element“. Größere, schwerere Läufer würden hier versinken – er laufe förmlich über der Oberfläche. Auf die Frage, ob sie die Magie kopieren wolle, schmunzelte Voigt: „Ich weiß nicht, welche Technik er meint. Vielleicht schaue ich mir das an und schneide mir eine Scheibe ab.“ Kurz, bissig, sympathisch.
Die Statistik spricht für sie: Voigt hat in dieser Saison bereits 85 % ihrer Schüsse getroffen, nur die Norwegerinnen Lägreid und Røiseland liegen vor ihr. Beim Laufen fehlen noch fünf Sekunden auf die Weltspitze, doch die Schießsicherheit gibt ihr Rückenwind für die Heim-Weltmeisterschaft in Oberhof – und die ist nur noch sechs Wochen entfernt.
Am Ende steht eine Zahl, die glänzt: 23:18,9 Minuten Renndauer, persönliche Bestzeit über zehn Kilometer. Voigt packt die Skistöcke unter den Arm, schlendert Richtung Mixed-Zone. „Ich fahre heute Abend nicht mehr nach Hause, ich fliege“, sagt sie. Und meint es wörtlich – denn am Dienstag geht’s zum Weltcup nach Ruhpolding, wo die Loipe hart, aber ihre Nerven längst eisgekühlt sind.
