Vogts warnt vor wm-arroganz: „luftschlösser sind gefährlich!
Die deutsche Nationalmannschaft präsentierte sich beim WM-Auftakt gegen Curacao in beeindruckender Form – ein 7:1-Erfolg, der Eindruck schien. Doch Ex-Bundestrainer Berti Vogts mahnt zur Vorsicht und warnt vor blankem Übermut. Der 79-Jährige hält das Ergebnis für überbewertet und sieht die Gefahr, dass die Mannschaft sich zu früh selbst überschätzt.

Die wm-bilanz von 1994: eine bittere lektion
„Ich muss es leider so hart sagen: Ein solches Spiel trägt zwar das Siegel WM, aber es war kein echtes WM-Spiel“, schrieb Vogts in seiner Kolumne für die Rheinische Post. Die Erinnerung an die WM 1994 sitzt tief. Damals führte seine Mannschaft gedanklich bereits in das vermeintliche Halbfinale gegen Italien, scheiterte aber überraschend und schmerzhaft mit 1:2 am Viertelfinale gegen Bulgarien. „Pflicht erfüllt mit viel Spielfreude, abhaken. Wir müssen auf dem Teppich bleiben“, betonte Vogts, der offenbar befürchtet, dass die Spieler sich von dem hohen Ergebnis blenden lassen könnten.
Die deutsche Mannschaft solle sich bloß nicht zu stark fühlen. Vogts’ Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Druck auf das Team steigt. Die Euphorie nach dem dominanten Sieg gegen Curacao ist groß, doch Vogts erinnert daran, dass die WM ein Marathon ist, kein Sprint. „Luftschlösser sind gefährlich bei einer WM“, so der erfahrene Coach, der weiß, wie schnell Träume zerplatzen können, wenn man sich zu sicher wähnt.
Das überraschende 0:0 von Kap Verde gegen Spanien, das Vogts zum Zeitpunkt seines Kommentars noch nicht kannte, könnte seine These allerdings widerlegen. Doch das ändert nichts an seiner grundsätzlichen Warnung: Deutschland muss konzentriert bleiben und sich nicht von vorzeitigen Erfolgen blenden lassen. Es gilt, die Balance zwischen Selbstvertrauen und Bescheidenheit zu finden – eine Gratwanderung, die vielen Teams in der Vergangenheit den Erfolg versauert hat. Die WM ist ein unberechenbares Turnier, und Überheblichkeit ist oft der Anfang vom Ende.
