Vogel jagt vorzeitig em-ticket – 150. länderspiel mit grinsen
Heidelberg wird grau, dann lila, dann schwarz-rot-gold. Und mitten drin Emily Vogel, 27 Jahre, 149 Länderspiele, ein Adler auf der Brust und keine Angst vor der Zahl 150. „Klingt nach Oma, oder?“, sagt sie, lacht, trägt die Last wie ein Handtuch. Sonntag, 15.30 Uhr, Slowenien gegen Deutschland, das Rückspiel. Ein Sieg, und die EM ist im Sack – fünf Länder, zwölf Hallen, ein Kontinent.
Die rechnung ist gnadenlos kurz
30:23 in Celje war Eröffnung, kein Finale. Deniz Wieczoreck warf siebenmal, Alina Grijseels lenkte wie ein Dirigent, aber Vogel lief die Räume tot, traf viermal, nahm zwei Anwürfe weg und spielte Verteidigung wie eine zweite Libero. Jetzt droht Heimspiel-Druck, weil die Kurpfalz zum ersten Mal seit dem WM-Silber wieder schwarz-rot-gold singt. „Wir wollen nicht feiern, wir wollen qualifizieren“, sagt Vogel, und ihre Stimme klingt, als würde sie schon in Kattowitz stehen.
Die DHB-Frauen haben seit November 23 Siege in 27 Spielen. Die Niederlande und Norwegen schlafen trotzdem nicht. Deshalb sagt Emily Vogel lieber: „Wir gehen als Favoritin, aber nicht als Geschenk.“ Ihre WM-All-Star-Nominierung steckt in der Tasche, doch der EM-Traum ist noch Luft. „Wenn wir im Dezember nach den Sternen greifen wollen, müssen wir jetzt den Himmel aufreißen“, sagt sie und meint: kein Experiment, sondern Pflichtsieg.

150 Spiele, null erbarmen
2009 zog Vogel als 15-Jährige nach Buxtehude, 2014 debütierte sie gegen Serbien, 2016 weinte sie in Rio, 2022 jubelte sie in Herning. Jetzt steht sie vor dem Jubiläum, das niemand feiert, bis es gefeiert wird. „Ich hab keine Torte bestellt“, sagt sie, „dafür aber 60 Minuten Tempo.“ Anja Althaus, Teammanagerin, kündigt eine „kleine Überraschung“ an – vermutlich keine Torte, sondern ein Video, das Vogel in Zeitlupe zeigt, wie sie Kreisläufe zerlegt.
Die Auslosung folgt am 16. April in Kattowitz. Wer dann nicht dabei ist, muss zusehen, wie andere die Trophäe heben. Vogel will hin, will gewinnen, will zurückkommen und wieder wegfliegen. „Der Adler sitzt tief, aber er fliegt noch höher“, sagt sie. Und bevor sie in die Kabine verschwindet, ruft sie noch: „Lasst uns das Ticket jetzt einlösen – dann kann der Countdown nach Polen beginnen.“
