Vittozzi fegt in otepää alle weg – und hofer schrammt an der spitze vorbei

Lisa Vittozza bewies in Estland, dass Olympiagold kein Zufall war. Beim Weltcup-Jagdstart von Otepää zog die 31-jährige Italienerin mit eisernem Schliff und windgeschützem Ansitz den Stecker – und ließ die Konkurrenz alt aussehen. 15.000 Zuschauer tobten, als sie auf der letzten Runde nochmal zulegte und sich Simon, Minkkinen und Jeanmonnot in Sekundenbruchteilen abhängte.

Wind wie ein gegner, vittozzi wie eine wand

Der Böenalarm hatte vor dem Rennen die Parcours gesprengt. Wer zu spät kam, flog raus. Vittozzi? Die checkte schon in der Schießeinlage die Windflaggen, verzog keine Miene und verschoss nur einmal. Der Rest war Formsache. Mit 29:38,4 Minuten lag sie 21 Sekunden vor der Lauf-Formstarken Minkkinen – und das, obwohl sie selbst auf den letzten Kilometern noch mal 150 Meter Anschlag raushaute.

Die Zahl des Tages: fünf Podestplätze in Folge für das Azzurri-Team – ein italienischer Rekord. Dass ausgerechnet Otepää, nächstes Jahr WM-Ort, Schauplatz dieses Laufs wurde, versetzt den Veranstaltern schon jetzt Weihnachtsstimmung. Tickets gibt es nämlich erst ab Montag – und die Website war gestern kurz vor dem Crash.

Laegreid demontiert das feld, hofer muss tief durchatmen

Laegreid demontiert das feld, hofer muss tief durchatmen

Bei den Männern setzte sich der Norweger Sturla Holm Laegreid an die Spitze – und wie. 1:17 Minuten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten bedeuten im Biathlon so viel wie ein Vier-Tore-Spiel beim Fußball. Laegreid schoss fehlerfrei, lief 31:12,0 Minuten und ließ selbst Quattrocento-Watt-Franzosen hinter sich. Lukas Hofer landete auf Rang sieben, holte als bester Italiener zwölf Sekunden auf die Spitze raus, schaute aber trotzdem erstmal tief in den estischen Schnee. „Ich habe zu viel Kreide gefressen“, sagte er später und meinte die zwei Fehler im Stehendanschlag.

Die Aussicht: Mit diesem Schwung reist die Weltcup-Caravane nach Oslo. Wer dort die Führung übernimmt, kann sich auf die Heimpremiere in Antholz freuen – und auf ein Duell, das längst mehr ist als ein Wettlauf auf Skiern. Denn wer in diesem Winter den Wind bändigt, bändigt auch die Trophäe. Vittozzi und Laegreid haben die Thermik schon verstanden.