Vinicius tritt aus mbappés schatten und erlöst madrid mit eiskaltem elfmeter

Vinicius Junior schrieb das Madrider Derby neu. Ohne Kylian Mbappé auf dem Rasen und mit Thibaut Courtois nur auf der Bank verwandelte der Brasilianer in der 66. Minute den Ausgleich vom Punkt und beendete damit jene Diskussion, die seit Wochen durch die Stadt hallt: Wer führt dieses Real Madrid, wenn der Superstar fehlt? Die Antwort lautet: Vinicius. Mit einem Lächeln, das mehr aussagte als jedes Interview.

Die szene, die alles auslöste

Der Elfmeter war keine Gabe, sondern hart erarbeitet. David Hancko trat Brahim Díaz im Strafraum um Haaresbreite zu spät, Juan Martínez Munuera zückte sofort den Punkt. Die Entscheidung fiel in Sekundenbruchteilen, doch die Verantwortung lag Minuten später auf den Schultern des 24-Jährigen. Mbappé war gerade erst zum Aufwärmen hinter der Bande verschwunden, Courtois beobachtete aus der Kabine – und Vinicius? Der trat an, atmete einmal tief durch und jagte die Kugel links unten ins Netz. Musso war noch in der Luft, als der Ausgleich schon Real Madrid wieder in die Titel-Spur schob.

Die Zahl ist bemerkenswert: Fünf verwandelte Elfmeter in sieben Versuchen diese Saison. Nur gegen Valencia und im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gegen Manchester City blieb er erfolglos. Genau dort, wo er vor sieben Tagen noch scheiterte, holte er sich nun die Erlösung. Die Statistik kennt keine Gnade, doch Vinicius kennt keine Angst.

War dies mehr als nur ein tor?

War dies mehr als nur ein tor?

Ja. Denn hinter dem 1:1 steckt ein Psychogramm. Vor zwölf Monaten schoss er im Achtelfinale gegen Atlético hoch über das Tor von Jan Oblak, Madrid gewann trotzdem in der Shoot-out-Lotterie. Die Bilder gingen um die Welt, die Frage auch: Trägt er das Gewicht der Großes? Die Antwort folgte im Stadion seines Stadtrivalen – und sie war lauter als jedes Pfeifkonzert. Mit diesem Treffen beseitigt Vinicius nicht nur den Rückstand auf dem Platz, sondern auch den in der öffentlichen Wahrnehmung. Mbappé mag das größte Gesamtpaket sein, doch der Moment gehört allein dem Flügelsturm, der aus der Favela von São Gonçalo stammt und mittlerweile die Zahlen des Klubs formt: 21 Tore, neun Vorlagen, unzählige Gegner mit verbrannten Sohlen.

Atlético verspulte nach dem Ausgleich die Kontrolle, Real Madrid spielte wie entfesselt. Die Punkteteilung schmeichelt den Rojiblancos, sie täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Vinicius der Spielverlauf ist. Seine Laufbahn kennt die Extreme: Niederlagen gegen City, Nerven gegen Valencia, Triumph gegen Liverpool – und nun dieses 1:1, das wie ein Sieg klingt. Die Saison ist noch lang, doch wer denkt, Madrid brauche unbedingt Mbappé in der Startelf, um Titel einzusammeln, der irrte. Der Leader trägt jetzt die Nummer 7, nicht die 9.